Barf- Prey Model was ist besser??

Barf- Prey Model was ist besser??

http://mashanga-burhani.blogspot.de/2015/09/barf-vs-prey-model-was-ist-besser.html

 

DIENSTAG, 29. SEPTEMBER 2015

BARF VS. PREY MODEL – WAS IST BESSER?

In Internetforen und Diskussionsgruppen schlagen sich zwei Gruppen von Rohfütterern regelmäßig die Köpfe ein, im Streit darum, wer nun das bessere Fütterungskonzept verfolgt. Es mutet häufig wie ein Religionskrieg an: Barfer und Preyer haben meist leider kein gutes Wort füreinander übrig. Ich persönlich finde diesen Streit abwegig und unnötig, denn man streitet sich bei genauerer Betrachtung über Feinheiten. Die Überschrift des Artikels ist natürlich provokant gewählt. Aber ruhig Blut, keines der beiden Modelle wird in diesem Artikel schlecht wegkommen. Schauen wir uns an, inwieweit sich die beiden Fütterungsmodelle überhaupt unterscheiden und noch wichtiger, was sie gemeinsam haben.

 

Was ist BARF?

BARF steht im deutschen Sprachgebrauch für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Artgerechte Haltung ist definiert als eine Orientierung an der ursprünglichen Lebensweise einer Tierart. Biologisch gesehen ist der Haushund der Art „Wolf (Canis Lupus)“ zuzuordnen. Demzufolge orientiert sich die biologisch artgerechte Ernährung von Haushunden an jener von Wölfen. Wölfe ernähren sich bekanntermaßen von Beutetieren. Demzufolge muss sich eine Ernährung, die das Wort „artgerecht“ beinhaltet, ebenfalls am Aufbau eines Beutetieres orientieren. Man spricht auch vom Beutetierprinzip: Bei BARF wird also ein Beutetier nachgebaut. Da Beutetiere eine bestimmte Zusammensetzung haben, sieht die Ration folgendermaßen aus:

Die Futtermenge setzt sich zu 20 % aus pflanzlichen Komponenten zusammen und zu 80 % aus tierischen. Der pflanzliche Anteil besteht wiederum aus 75 % gemischtem, püriertem Gemüse und 25 % Obst, der Anteil tierischer Zutaten zu 50 % aus durchwachsenem Muskelfleisch wechselnder Sorten (Fettanteil 15‒25 %), 20 % Pansen / Blättermagen, 15 % gemischten Innereien (z. B. Leber (30 %), Rest: Niere, Milz, Lunge, Herz) und 15 % gemischten rohen, fleischigen Knochen (½ Knochen, ½ Fleisch).

Diese Ration wird regelmäßig durch die Zugabe von Omega-3-Fettsäuren lastigen Ölen (z. B. Lachsöl, Leinöl), frischen Eiern, Kräutern, Algen, Nüssen / Samen, Bierhefe und Lebertran ergänzt, weil es nicht möglich ist, das Beutetier „perfekt“ nachzubauen. Dadurch fehlen dem Hund gewisse Nährstoffe, die durch diese Ergänzungen zugeführt werden.

Was ist das Prey-Model?

Das Wort „Prey“ ist Englisch und bedeutet „Beutetier“. Demnach wird auch bei dieser Fütterungsart nach dem Modell potentieller Beutetiere gefüttert, genau wie bei BARF. Genau genommen würde man bei Prey eigentlich komplette Beutetiere füttern – inkl. Blut, Fell etc., sonst bestünde auf den ersten Blick kein großer Unterschied zu BARF.

Mittlerweile hat sich aber eine abgewandelte Form der Fütterung als Prey Model durchgesetzt, die ebenfalls Beutetiere nachbaut, an Stelle diese komplett zu füttern, weil das aus organisatorischen Gründen natürlich oftmals nicht machbar ist. Es gibt keine einheitliche Definition der Zusammensetzung der Ration, aber die üblichen Angaben sind leicht abweichend zu BARF:

Die Futtermenge setzt sich zu 80‒90 % aus Muskelfleisch (teilweise anteilig auch Pansen / Blättermagen) wechselnder Sorten (Fettanteil 15‒25 %), 5‒10 % Innereien (davon 50 % Leber sowie Niere, Milz, Lunge) und 5‒10 % rohen, blanken Knochen (100 % Knochen)*.

Püriertes Obst oder Gemüse werden nicht integriert, auch Zusätze werden meist nicht gegeben. Jedoch erhält der Hund beim Prey Model aufgrund der noch stärkeren Ausrichtung an der Ernährung in der Wildnis Zugang zu Komponenten, die Wölfe für gewöhnlich ebenfalls aufnehmen: Fell, Blut, Kot von Pflanzenfressern (Achtung – Warnhinweis unten), Kräuter, Beeren, Wurzeln etc.

*Die Fütterung der Knochen erfolgt dann aber auch als fleischiger Knochen. Die “blanken” Knochen beziehen sich lediglich auf die Berechnung der Mengen. Auch bei Prey wird auf eine gute Ummantelung der Knochen mit Fleisch geachtet.

 

Die Gegenüberstellung

Es wird immer wieder darüber gestritten wie stark unterschiedlich die Zusammensetzung der beiden Fütterungsmethoden doch sei. Sieht man sich zwei Rationen jedoch im Vergleich an, so stellt man fest, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben als Differenzen. Dass das auf den ersten Blick nicht auffällt, hat mehr mit mathematischen, denn mit faktischen Unterschieden zu tun.

Ein 30 kg schwerer Hund bekommt ca. 500–600 g Futter am Tag. Da beim Prey Model der Anteil an Obst und Gemüse weggelassen wird, brauchen die Hunde insgesamt etwas weniger Futter, denn diese Komponente liefert bekanntermaßen keine Energie und auch keine nennenswerten Mengen an Nährstoffen. Die Gesamtfuttermenge unterscheidet sich daher, wobei jedoch die Menge an tierischen Komponenten insgesamt gleich ist und diese ist ausschlaggebend für den Beutefresser Hund:

Komponente BARF, 600 g Prey Model, 480 g
Muskelfleisch 240 g 384 g
Pansen 96 g
Innereien

Davon Leber

72 g

24 g

48 g

24 g

Knochen 72 g als RFK = 36 g blanker Knochen, 36 g Fleisch 48 g als blanker Knochen
Anteil tierischer Zutaten 480 g 480 g
Gemüse / Obst 120 g entfällt
Zusätze Algen, Eier, Omega-3-lastiges Öl entfällt

In der Tabelle wird von ungerundeten Werten ausgegangen, um den Vergleich besonders genau durchführen zu können. In der täglichen Fütterung würde natürlich niemand auf die Idee kommen 24 g genau abzuwiegen…

Die Gemeinsamkeiten

Betrachtet man die Daten, stellt man schnell fest, dass die Unterschiede nicht wirklich groß sind. Jedenfalls nicht groß genug, um sich deswegen in die Haare zu kriegen. Aus diesem Grund habe ich auch die Überschrift „Gemeinsamkeiten“ gewählt und nicht „Unterschiede“, denn eins lässt sich wohl kaum abstreiten: Sowohl Barfer als auch Preyer haben nur ein Ziel: Der Hund soll gesund und artgerecht ernährt werden – ohne braune Getreidekugeln, oder?

Nicht die kleinen Unterschiede zwischen BARF und Prey Model machen unsere geliebten Vierbeiner krank! Junk Food macht Hunde krank!

Und weder BARF, noch Prey gehören dieser Kategorie an. Beide Fütterungsmethoden sind grundsätzlich gleich gut dafür geeignet, dem Hund eine gesunde Lebensgrundlage zu bieten. Man muss sich nicht über ein paar Prozentangaben bei der Verteilung streiten und auch nicht darüber, ob man dem Hund nun Grünzeug gibt oder nicht. Diese Unterschiede sind aus ernährungsphysiologischer Sicht Nichtigkeiten im Vergleich zur Alternative, nämlich Fertigfutter. Aber sehen wir uns alles im Detail an.

MUSKELFLEISCH / PANSEN

Der Einfachheit halber werde ich diese beiden Komponenten im Folgenden als „Fleisch“ zusammenfassen. Je nach Auslegung des Prey Models setzt sich der Fleischanteil entweder aus reinem Muskelfleisch oder auch Anteilen von Pansen zusammen. Einige Preyer lehnen Pansen ab, da er in der natürlichen Nahrung der Wölfe nicht vertreten sei. Das ist nicht ganz richtig bzw. kommt darauf an, wo die Wölfe leben – es gibt Exemplare in Kanada, die ernähren sich laut der Wolfsforscherin Elli H. Radinger ausschließlich von Lachs, einige italienische Wölfe (vom Wolfsforscher Luigi Boitani als “Spaghetti-Wölfe” bezeichnet) fressen Dinge, die Müllhalden zu bieten haben und Kadaver… Die Nahrung der Lausitzer Wölfe beispielsweise besteht zu über 75 % aus Tieren, die Wiederkäuer sind (Rehe, Rothirsch, Damhirsch) und somit über einen Pansen verfügen.[1]

Der Unterschied zum Rinderpansen ist eher, dass sich im Pansen von wild lebenden Tieren keine Reste von Kraftfutter befinden wie es beim Rinderpansen üblicherweise der Fall ist. Aber eigentlich spielt das ohnehin keine Rolle, denn Wölfe fressen den Inhalt des Pansen sowieso nicht mit: Sie schütteln so lange daran herum, bis die Futterreste überall auf dem Boden verstreut sind. Der Pansen selbst wird allerdings selbstverständlich gefressen. Und auch Barfer servieren ihn in der Regel „entleert“.

Betrachtet man diese Komponenten aus ernährungsphysiologischer Sicht, so liegen die wichtigsten Unterschiede in der Aminosäurenzusammensetzung, dem Fettgehalt und dem Gehalt an Calicum (als herausragender Nährstoffunterschied). Muskelfleisch hat die bessere Aminosäurenzusammensetzung und den höheren Fettgehalt, liefert dafür aber nicht so ein ausgeglichenes Ca:P-Verhältnis wie Pansen. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile.

Ob nun Pansen gefüttert wird oder man ihn durch Muskelfleisch ersetzt, spielt aber eigentlich keine große Rolle – auch einige Barfer verzichten auf diese Komponente, was sich für den Hund nicht nachteilig auswirkt.

Betrachten wir die nackten Zahlen:

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF Muskelfleisch + Pansen 240 + 96 g = 336 g
Prey Muskelfleisch (+Pansen) 384 g

Der Unterschied ist also eher gering. Soll man sich wirklich über diesen Unterschied streiten? Zumal er sich, wie wir gleich sehen werden, auch noch ausgleichen wird…

 

INNEREIEN

Beide Fütterungskonzepte sehen gewisse Mengen an Innereien vor, was auch gut und wichtig ist. Es gibt andere Konzepte der Rohfütterung, bei denen diese Komponente nicht berücksichtigt wird. Das ist weder bei BARF, noch bei Prey der Fall. In diesem Punkt herrscht also grundsätzlich Übereinstimmung, nur die Mengen sind leicht unterschiedlich:

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF Innereien 72 g, davon 24 g Leber
Prey Innereien 48 g, davon 25 g Leber

Offenbar wird in beiden Fütterungskonzepten auch die Wichtigkeit von Leber berücksichtigt, was den realistischen Tatsachen im Beutetier entspricht, denn die Mengen sind fast gleich. Ein kleines Beutetier, was von einem Hund erlegt und gefressen werden könnte (wie z. B. ein Kaninchen) besteht zu 3,3 % aus Leber – was dieses innere Organ zum größten im Beutetier macht. Beide Konzepte bilden diese Menge ab, was für den Hund vorteilhaft ist, da die Leber besonders nährstoffreich ist. Bei BARF ist der Innereienanteil insgesamt etwas höher – der 30 kg schwere Hund aus dem Beispiel bekommt bei BARF also 24 g mehr Innereien am Tag, das entspricht unter 0,1 % des Körpergewichts dieses Hundes. Ein Unterschied, den man vielleicht sogar vernachlässigen kann und über den man aber auf keinen Fall streiten muss.

Hinzukommt, dass dafür bei BARF der Anteil an Fleisch etwas geringer ist und daher an dieser Stelle der mengenmäßige Ausgleich stattfindet.

Ernährungsphysiologisch betrachtet, unterscheiden sich Innereien und Fleisch vor allem im Hinblick auf den Vitamin- und Mineralstoffgehalt – die Aminosäurenzusammensetzung ist recht ähnlich, wobei Muskelfleisch und z. B. Leber oder Niere eine sehr gute Zusammensetzung haben und Pansen, Milz, Lunge etc. eher eine befriedigende, weil der Bindegewebsanteil höher ist. Innereien wie Leber, Niere und Milz sind aber abgesehen davon im Vergleich zu Muskelfleisch sehr reich an Vitamin A, D, B1–12, Kalium, Eisen, Kupfer, Jod und Selen. Einige dieser Nährstoffe kommen natürlich auch im Blut oder blutigem Fleisch vor. Barfer füttern keine ganzen Beutetiere, sondern ausgeblutetes Fleisch, also fehlt z. B. in der Regel das Blut. Durch den etwas höheren Innereienanteil bei BARF wird diesem Umstand gewissermaßen Rechnung getragen. Insgesamt gibt es aber m. E. bei 24 g ohnehin keinen Grund, sich die Köpfe einzuschlagen 😉

KNOCHEN

Auch hier gibt es keinen Grund, zu streiten: Bei beiden Modellen sind Knochen enthalten, was den natürlichen Gegebenheiten im Beutetier entspricht. Ein kleines Beutetier wie etwa ein Kaninchen besteht zu 8,5 % aus reinen Knochen. Größere Beutetiere wie z. B. Rinder haben etwas mehr Knochenmasse und liegen eher bei 10 %. Diese Daten beziehen sich auf das Lebendgewicht des Tieres, nicht das Schlachtgewicht. Gleiches trifft natürlich auf wilde Beutetiere zu: ein Wildhase hat einen relativ gesehen geringeren Knochenanteil als ein Bison. Aber betrachten wir die Mengen im Detail, wobei berücksichtigt werden muss, dass bei BARF von RFK (rohe, fleischige Knochen = (½ Knochen + ½ Fleisch) ausgegangen wird und bei Prey von blanken Knochen.

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF RFK = ½ Knochen + ½ Fleisch 72 g RFK = 36 g Fleisch + 36 g blanker Knochen
Prey Knochen = blanker Knochen 48 g blanker Knochen

Möchte sich jemand über die 12 g Unterschied streiten? Bei einem Hund, der 30 kg wiegt und bereits mit dem Calcium aus 36 g Knochen bereits ausreichend versorgt ist. Schlagt Ihr Euch wirklich deswegen die Köpfe ein? Und dass, obwohl keiner von Euch die vermutlich genau abmessen könnte, würde oder wollte und das auch nicht notwendig ist? Nicht doch!

Die 38 g Fleisch, die an den RFK bei BARF noch übrig sind, kann man übrigens zur Komponente „Fleisch“ addieren. Dann hätten wir bei BARF 336 g Fleisch + 24 g Innereienüberschuss + 36 g Fleisch (½ der RFK = Fleisch) = 396 g (vs. 400 g bei Prey – die 4 g kann man wohl bei einem 30 kg schweren Hund als unerheblich betrachten, es gibt also eine weitere Gemeinsamkeit!)

Beide Modelle bilden offensichtlich die Verhältnisse im Beutetier korrekt ab. Der Knochenanteil entspricht realistischen Daten und mit beiden Konzepten wird diese Menge auch zugeführt. Alles ist gut, kein Grund, sich zu streiten. Die unterschiedlichen Zahlen (10 % vs. 15 %) kommen lediglich daher, dass Barfer durch den pflanzlichen Anteil eine höhere Gesamtfuttermenge haben, bei RFK von 50 % Knochensubstanz ausgehen und sich die 15 % auf den tierischen Anteil beziehen. Die relativen Zahlen mögen unterschiedlich sein, die absoluten sind es faktisch nicht!

GEMÜSE / OBST

Nun kommen wir auf eine der Komponenten zu sprechen, die immer wieder in Diskussionen und Streit ausartet: das Grünzeug! Betrachten wir die Fakten:

  • Wölfe fressen Beutetiere, wobei sie kleine komplett verzehren (inkl. Fell und Inhalt des Darm-Traktes) und bei großen Tieren durchaus den Pansen / Magen ausschütteln, sowie Teile des Fells und Teile der Knochen zurücklassen. Wölfe stürzen sich NICHT zuerst auf den Mageninhalt, nein, sie lassen ihn eher liegen. Wölfe fressen bei größeren Beutetieren zuerst die inneren Organe, wie Leber, zerren dann große Brocken von Muskelfleisch heraus und fressen dann je nach Nahrungslage den Rest entweder komplett oder lassen große Knochen und Fellteile liegen. Der vorverdaute Darminhalt wird im Gegensatz zum Mageninhalt recht gern gefressen.[2]
  • Wölfe fressen (auch in Zeiten guter Versorgungslage) Kot von anderen Tieren, Gras und Kräuter, Beeren etc.[3] (So sieht das dann aus: http://www.dailymotion.com/video/x7ik3l_wolves-eating-berries_animals)
  • Aus Studien zur Kotzusammensetzung von Wölfen geht hervor, dass sich in der Losung der Tiere zu 0,3 % Beeren, 1,9 % Pflanzenmaterial und etwa 3,4 % andere Bestandteile wie Blätter, Äste und Steine befinden. Letzteres gilt als unfreiwillig aufgenommen.[4] Die Mengenangaben sind nicht gleichzusetzen mit dem Anteil dieser Dinge in der Nahrung, denn im Kot sind schließlich nur die unverdaulichen Reste von Nahrung nachweisbar. Das bedeutet, dass ein Wolf weit mehr als 1,9 % frisches Pflanzenmaterial aufnehmen muss, um im Kot 1,9 % nachweisen zu können.
  • Warum Wölfe freiwillig Pflanzenmaterial und andere unverdauliche Bestandteile aufnehmen, ist nicht bekannt. Man vermutet, dass diese Dinge den Darm von Parasiten und Haaren befreien oder als Brechmittel dienen.[5]
  •  Ein Beutetier, was von einem Hund erlegt und gefressen werden könnte (z. B. ein Kaninchen) besteht zu ca. 20 % aus Fell (11,7 %) und Darminhalt (9,7 %)[6] – beides ist schwer verdaulich und dient als Ballaststoff in der Nahrung und könnte aufgrund der geringen Größe nur schwer “ausgeschüttelt” werden.
  •  Hunde benötigen unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe) zur Aufrechterhaltung der Darmperistaltik (durch unverdauliche Bestandteile steigt der Füllungsdruck im Darmkanal) und außerdem unverdauliche Faserstoffe, zur Gesunderhaltung ihrer Darmflora (die „guten“ Bakterien im Dickdarm ernähren sich nämlich davon).[7]
  • Obst und Gemüse enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können.[8]

Soviel zu den Fakten, die nachgewiesen und erforscht sind und als Grundlage für die Diskussion dienen (sollten). Hunde und Wölfe scheinen einen gewissen Anteil unverdaulicher Faserstoffe in der Nahrung zu benötigen und im Falle ihrer natürlichen Nahrung auch aufzunehmen. Die erforderliche Menge ist gering.

Das heißt aber natürlich nicht, dass man zwingend Obst und Gemüse füttern muss. Die Preyer liegen richtig mit der Annahme, dass püriertes Grünzeug in erster Linie nicht zur natürlichen Ernährung von Caniden gehört. Der Wolf steht nicht mit seinem Vitamix im Wald und püriert fleißig seine Wochenportion. Das erledigen die Beutetiere für ihn, indem sie sich mit Haut und Haar fressen lassen und Grünzeug zerkleinern, vorverdauen und dem Wolf als leckeren Darminhalt gleich mit servieren. Aus diesem Grund kann man sich das Grünzeug bei Prey natürlich sparen, vorausgesetzt man füttert ganze Beutetiere (inkl. Fell und Darminhalt).

Alternativ kann man unverdauliche Nahrungsbestandteile auch anderweitig zur Verfügung stellen und dem Hund Zugang zum Kot anderer Tiere (Achtung – Warnhinweis unten), Gras und Beeren ermöglichen. Damit können die o. g. Fakten auch in der Ernährung des Hundes umgesetzt werden, ganz ohne Mixer.

Wer das nicht macht, berücksichtigt eine wichtige, natürliche Komponente der Ernährung von Wölfen nicht und folgt damit auch keinem Beutetiermodell. Und da liegt der Knackpunkt, denn einige Hundehalter ignorieren diesen Umstand. Sie zerren ihren Hund von Schafskötteln weg, oder verbieten ihm Gras zu fressen etc. Wenn der Hund all diese Dinge ohnehin nicht will, dann ist das vielleicht eine andere Sache, aber sie sollten zur Verfügung gestellt werden.

Füttert man ganze Beutetiere, kann man sich das Pürieren also schenken. Barfer haben da keine andere Wahl. Sie müssen den Ballaststoff- und Faseranteil anderweitig zuführen. Und das geschieht dann der Einfachheit halber über püriertes Grünzeug, was durch die enthaltene Cellulose für den Hund weitgehend unverdaulich ist und noch sekundäre Pflanzenstoffe enthält, die vorteilhaft für die Gesundheit der Tiere sind (Wölfe bilden das ab, indem sie z. B. frische Beeren fressen). Die Mengen sind außerdem überschaubar: Auch wenn 20 % Grünzeuganteil auf den ersten Blick viel erscheinen mögen, sollte man nicht vergessen, dass der Rohfaseranteil von Obst und Gemüse sehr gering ist. In den oben in der Ration veranschlagten 120 g Gemüse-Obst-Mix sind etwa 2 g Rohfaser enthalten. Pro Tag. Für einen 30 kg schweren Hund… 2 g! Der Rest ist hauptsächlich Wasser. Aber man muss ja kein Grünzeug füttern, um diese 2 g zuzuführen. Manche Hunde wollen keine veganen Komponenten im Futter. Dann kann man ganz geringe Mengen Flohsamenschalen (2 g in dem genannten Beispiel) geben oder man füttert Fell (z. B. Hasen- oder Rinderohren mit Fell) oder lässt den Hund in Ruhe „grasen“.

ZUSÄTZE

Bei den Zusätzen geraten nicht nur Barfer und Preyer aneinander – hier wird ein viel größerer Kreis gezogen. Tierärzte raten üblicherweise zu einer recht starken Supplementierung mit einem Mineralfutter, Barfer schwanken zwischen „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ bis „alles muss rein in den Hund“ und Preyer verzichten ganz darauf.

Kurzum: Man muss keine Zusätze füttern. Gar keine! Gesunde Hunde können bei natürlicher Haltung sämtliche Nährstoffe, die sie benötigen allein aus dem Beutetier ziehen. Es ist nicht nötig, irgendwas zu supplementieren, wenn man das bewerkstelligen kann: Wer ganze Beutetiere aus artgerechter Haltung zur Verfügung stellt und dem Hund ermöglicht, ganztags in der Sonne zu liegen, wenn ihm danach ist, muss überhaupt gar nichts ergänzen. Null! Es reichen Beutetiere und Tageslicht! Eigentlich.<

Schwierig wird es, wenn man einige der Kriterien nicht erfüllen kann. Füttert man beispielsweise Fleisch aus Massentierhaltung, so hat die Zusammensetzung der Nahrung eine vollkommen unnatürliche Fettsäurenzusammensetzung, die ausglichen werden muss, will man nicht entzündliche Prozesse im Körper und damit entsprechende Krankheiten fördern. Wölfe in der Natur haben das Problem nicht – Rehe und Elche leben artgerecht. Gibt es keine ganzen Beutetiere inkl. Blut zu fressen, fehlt es eventuell an Jod und dann werden Seealgen ergänzt. Mit dieser Herausforderung hat kein Tier in der Natur zu kämpfen. Und wenn der Hund sich hauptsächlich in der Wohnung aufhält, dann könnte es an Vitamin D fehlen, wenn man das nicht ergänzt. Ein Problem, vor dem kein wildes Raubtier steht.

Es kommt also auf die Umstände an, ob Zusätze notwendig sind oder nicht (welche Zusätze in welcher Situation sinnvoll sind und wie sie dosiert werden → Das BARF-Buch). Das trifft nicht nur auf BARF oder Prey zu, sondern auf sämtliche Fütterungsmethoden. Wer das Prey Model wirklich gut umsetzen kann, liegt also völlig richtig damit, Zusätze abzulehnen, denn im Idealfall braucht man sie tatsächlich nicht.

Fazit

Wie man sehen kann, gibt es eigentlich keinen Grund, eines der beiden Fütterungsmodelle zu verteufeln oder sich gegenseitig anzufeinden. Im Grunde richten sich beide nach dem Beutetierkonzept und sind damit als artgerecht einzustufen. In den großen Komponenten, die für die Ernährung des Hundes hauptsächlich ausschlaggebend sind (Fleisch, Innereien und Knochen), bestehen Unterschiede im Grammbereich, über die man wohl kaum streiten muss. Beide Konzepte ermöglichen eine gesunde Ernährung des Hundes. Punkt!

Im Prinzip haben auch beide Gruppen Recht. Das Prey Model (Fütterung kompletter Beutetiere) ist eigentlich das bessere Konzept, weil es nicht nur eine Orientierung am Beutetier ist und damit eine Kopie, sondern die Situation in der Fütterung der wilden Vorfahren mit der Fütterung ganzer Beutetiere identisch nachahmt. Es gibt nichts Besseres als komplette Beutetiere zu füttern. Da es jedoch einigen Hundehaltern nicht möglich ist, ganze Beutetiere zu füttern, bietet BARF ein Konzept, was entsprechende Anpassungen der normalen Hundehaltungsbedingungen berücksichtigt, damit das Futter trotzdem alles enthält, was der Vierbeiner benötigt. Die Imperfektion des Hundehalteralltags in der Großstadt wird also ausgeglichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Vertragt Euch! Ihr wollt doch alle das Gleiche: gesunde Hunde.

Quellen:
[1] http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/nahrungszusammensetzung
[2] Radinger, E.: Was würden Wölfe kaufen?
[3] Mech, L. D. (2007): Wolves: Behavior, Ecology and Conservation
[4] Müller, S. (2006): Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis
[5] Mech, L. D. (2007): Wolves: Behavior, Ecology and Conservation
[6] Gondret, F. et al. (2005): Carcass composition, bone mechanical properties, and meat quality traits in relation to growth rate in rabbits
[7] Meyer, H., Zentek, J. (2013): Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik
[8] Watzl, B., Leitzmann, C. (2005): Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln
WARNHINWEIS zum Thema Pferdeäpfel
Vorsicht ist bei Tieren mit einem MDR-1-Defekt geboten (verbreitet bei folgenden Rassen: Collie, Border Collie, Australian Sheperd, Bobtail, Bearded Collie, Wäller, Shetland Sheepdog, Weißer Schäferhund, Langhaar-Whippet). Sie sollten zwingend davon abgehalten werden, Pferdeäpfel zu fressen, denn Pferde werden oftmals regelmäßig entwurmt und ein Wurmmittel namens Ivermectin, was sich dann im Kot der Pferde befindet, kann bei betroffenen Hunden tödliche Folgen haben.

Kommentare:

Unknown hat gesagt…

das ist aber nicht ganz richtig 😉 bei prey gibt es auch 1 x in der woche fisch und wer keinen fisch mag sollte lachsöl füttern . das ist schon sehr wichtig !

  1. September 2015 um 20:12Nadine Wolf hat gesagt…

Ganze Fische würde ich jetzt mal als komplettes Beutetier zählen und nur das Filet zum Muskelfleisch. Es kann also sowohl bei BARF als auch bei Prey integriert sein. Das hatte ich jetzt einfach impliziert 😉

Allerdings reicht eine einzige Fischmahlzeit pro Woche nicht aus, um das Fettsäurenmissverhältnis im Fleisch auszugleichen. Dafür ist das Fettsäurenprofil von Massentierhaltungsfleisch einfach zu weit entfernt von dem von Fleisch aus artgerechter Haltung und zudem ist die Komponente dafür auch viel zu groß (sowohl bei BARF, als auch bei Prey). Da muss man schon entweder gleich passendes Fleisch nehmen oder wirklich täglich Lachsöl geben. Und letzteres ist etwas, was von vielen Preyern abgelehnt wird (weil Wölfe eben auch kein Lachsöl in der Natur finden).

  1. September 2015 um 23:31Rena MacLeod hat gesagt…

Die Erklärung von Prey fängt schon falsch an, wenn man so einen Artikel schreibt sollte man sich bitte vorher schlau lesen und nicht irgendwas behaupten
1. gibt es nicht mittlerweile Frankenprey, das gabs schon die ganze Zeit
2. 80% Fleisch inkl dem Fett ist richtig, aber es sind nicht 5-10% Organe und Knochen sondern 10% Organe und 10% Knochen.
3. Fell und Blut ist kein Muss. Kot von Pflanzenfressern? Woher kommt die Mär?
4.auch beim Prey kann man Eier füttern, wieso auch nicht:) Öl ist durchaus auch Bestandteil, Nadine Wolf, deine Aussage ist inkorrekt, Prey beinhaltet durchaus Fischöl wenn man nicht in der Lage ist hauptsächlich Wild und Weidetiere zu füttern, irgendwie muss man das ganze ja ausgleichen, ergo ist da Fischöl erlaubt. Aber eben ehr nur Fischöl denn Pflanzenöle wirken entzündlich und die Omega3 lastigen bringen nichts da Hund die Omega3 Säuren nicht in die benötigte Form umwandeln kann (schreibt im Übrigen auch die Simon inzwischen auf ihrer Homepage) oder nur sehr begrenzt (der Mensch kann das nämlich auch nur bis zu 9% und das auch nur wenn er gesund ist)
Oh und das Fisch nicht ausreicht scheint nicht zu stimmen, evtl ist das interessant für dich:
http://www.dogsnaturallymagazine.com/can-fish-oil-kill-dogs/ die Überschrift ist etwas reißerisch, aber recht interessant, weswegen ich inzwischen ehr zu geeignetem Fisch rate statt dem Öl. Meine evtl Krebskranke bekommt aber Fischöl da sie höhere Dosen braucht, muss also jeder so handhaben wie er mag bzw wie es für den Hund passt:)
5. Der Inhalt des Verdauungstraktes wird eben nicht gefressen, auch nicht der vom Darm. Pansen etc bleibt meist sogar komplett liegen nach Aussagen von Wolfsforschern/Beobachtern.
6. Der Inhalt bei kleinen Tieren muss nicht ausgeschüttelt werden da diese Teile oft einfach liegen bleiben und wenn nicht heißt das nicht das es benötigt wird, denn das wird es nicht:)
Die Mageninhalte/Darminhalte von Pflanzenfressern enthalten ehr nichts womit ein Fleischfresser etwas anfangen kann, geschweidegdenn das die Bakterien/Enzyme die Magensäure überleben würden:)
7. Knochen, Knorpel, Sehnen etc liefern “Ballaststoffe und Faserstoffe” dazu braucht es keinen Pflanzenanteil
Große Mengen Pflanzen taxieren den Pankreas da dieser nicht für solche Aufgaben gemacht wurde. der Pflanzliche Anteil in der Wolfsnahrung beträgt 0,07%, da bekommt man dann evtl eine Vorstellung was mit “große Mengen” gemeint ist:)
8. Vitamin D ist reichlich in Leber enthalten, da braucht man nichts extra supplementieren ob der Hund nun viel rauskommt oder nicht. Ansonsten haben auch Eier und Eintgsküken reichlich Vitamin D:)
9. wenn wir zu den Pflanzlichen Faserstoffen kommen, nehmen wir mal fructo-Oligosaccharide zb weil das in letzter Zeit so gehyped wird. das Zeug sorgt dafür das vereinfacht ausgedrückt, Enzyme gebildet werden die helfen Faserstoffe zu knacken. Da Hund keinen Bedarf an diesen hat braucht er aus diese Enzyme nicht. Durch einen zu hohen Pflanzlichen Anteil kommt es ehr zu Fehlbesiedelungen im Darm. Außerdem verringert ein hoher Ballaststoffanteil auch die Aufnahme anderer Nährstoffe, sprich ein hoher Ballaststoffanteil senkt die Verdaulichkeit der anderen Komponenten.
Wie gesagt liegt der pflanzliche Anteil in der Wolfskost bei 0,07%, sprich 20-30% Pflanzen in der Nahrung sind eben nicht artgerecht, nicht gesund und mindern die Verwertbarkeit der wichtigen Nahrungsbestandteile.
Kriegt der Hund deswegen Mängel, vermutlich nicht, dann würde keiner barfen;)
Macht es das deshalb sinnvoll? Nein:)
Ansonsten, jeder soll so füttern wie er mag;)
Wer interesse an Prey hat, sei es Frankenprey oder Whole Prey kann ja mal auf Rawfed.com schauen, dort ist alles richtig erklärt in den dazugehörigen Yahoogroups oder auf Facebook stehen die Herrschaften auch mit Rat und tat zur Seite:)
LG Judith Tubbesing

  1. Oktober 2015 um 17:28Nadine Wolf hat gesagt…

Wenn man also einen Artikel schreibt, der aufzeigen soll, dass es zwei Rohfütterungsgruppen gibt, die sehr viel mehr gemeinsam haben als sie trennt und es sich daher nicht lohnt, sich zu bekriegen, dann sollte man sich vorher schlau machen. Worüber? Darüber, dass es immer wieder Streit gibt? Wirklich? Dein Kommentar ist doch schon Beleg dafür. Du kommst her, und versuchst einen Artikel, der schlichten soll, schlecht zu reden und behauptest einfach etwas, ohne Quellen zu nennen.

Und glaub mir, ich habe mich informiert und hab auch Quellen angegeben. Eigentlich bin ich nicht dafür bekannt, einfach mal irgendwas zu behaupten. Jeder, der hier seit Jahren mitliest, wird das bestätigen können.

1) Was bedeutet die ganze Zeit? 😉 Der ursprüngliche Gedanke war ja, ganze Tiere zu verfüttern. Erst danach kam man auf die Idee, diese nachzubasteln, eben weil nicht jeder ganze Tiere füttern kann.

2) Das kommt auf die Auslegung an – es gibt durchaus Preyer, die das anders sehen. Und es gibt kein Standardwerk, das zitierfähig ist. Nur Angaben aus dem Internet und die schwanken durchaus. Die Berechnung wurde ja mit 10 % durchgeführt, weil ich persönlich 5 % auch für zu niedrig halte.

3) Ich habe mir diese Dinge nicht ausgedacht. Ich zitiere an der Stelle nur die Wolfsforscher: David Mech, Elli Radinger etc. Ich kann es nicht ändern, dass Wölfe solche Dinge fressen…

4) Es gibt durchaus Preyer, die tatsächlich sämtliche Zusätze ablehnen, auch Öl. Das wirst Du besser wissen als ich. Das Argument lautet dann: „Im Wald stehen keine Ölflaschen rum.“ , was ja an sich richtig ist. Unter Umständen ist auch keine Ergänzung notwendig. Weder bei BARF, noch bei Prey. Das habe ich in dem betreffenden Abschnitt auch betont. Man muss ja kein Öl füttern, wenn man z. B. ausschließlich Wild füttert, kann man sich das sparen. Ich habe auch nirgends behauptet, man solle Pflanzenöle füttern. Ich persönlich bin ein Gegner von dieser Praktik. Es ist längst bekannt, dass die Umwandlungsraten zu EPA und DHA bei Hunden sehr gering sind.

5) Das sehen die Wolfsforscher anders, ich zitiere nur, die Quellen sind ja auch entsprechend angegeben. Es lohnt sich also nicht, das mit mir zu diskutieren. Ich schreibe nur auf, was Forscher dazu sagen. Wende Dich diesbezüglich bitte an Elli Radinger, sie schreibt: “Gerne vertilgen die Wölfe aber den warmen, vorverdauten Darm samt Inhalt.” Ich halte Elli Radingers Publikationen für zitierwürdig und außerdem ist sie sehr nett und hilfsbereit – nicht alle Autoren beantworten so bereitwillig Fragen von Lesern. Da ich keine subjektiven Vorteile (z. B. Fördergelder von Unternehmen) darin sehen kann, diesbezüglich verfälschte Informationen zu publizieren, habe ich keinen Grund, ihre Aussagen anzuzweifeln. Warum sollte sie behaupten, dass Wölfe sowas tun, wenn es nicht so ist? Das ergibt für mich keinen Sinn. Es muss außerdem auch einen Grund geben, dass im Kot von Wölfen 0,3 % Beeren, 1,9 % Pflanzenmaterial und etwa 3,4 % anderen Bestandteile wie Blätter, Äste und Steine nachgewiesen werden (Müller, S. (2006): Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis).

6) Wo steht, das würde oder müsse ausgeschüttelt werden? Die Wolfsforscher sind sich einig: kleine Beutetiere werden komplett gefressen. Daran kann ich nichts ändern.

  1. Oktober 2015 um 21:43Nadine Wolf hat gesagt…

7) Knochen, Knorpel und Sehnen beinhalten keine Rohfaser, sie liefern nur schwer oder unverdauliche Komponenten. Das reicht also als Ballaststoff, nicht als „Futter“ für die Darmflora. Kannst Du bitte eine Quelle für die 0,07 % nennen? Mir liegen ganz andere Daten vor. Allein der Darminhalt eines Beutetiers macht ca. 9 % aus, wobei der Rohfasergehalt darin dann natürlich wesentlich niedriger ist, denn Grünzeug enthält in der Regel um die 2 % Rohfaser. Wölfe fressen ja hauptsächlich Pflanzenfresser oder Allesfresser. Die haben einen sehr langen Darm, der dann auch gefüllt ist. Und wie die Wolfsforscher schreiben, wird das mitgefressen. Nicht nur das, in Untersuchungen wurden immer wieder größere Pflanzenmengen im Kot von Wölfen gefunden. Im Wolf Science Center wundert man sich Jahr für Jahr darüber, dass die Tiere über die Äpfel herfallen, die auf dem Boden unter dem Baum liegen – trotz super Versorgungslage ( siehe dieses Video – ab Minute 3:17: die Tiere fressen über Wochen zu 80 % nur Äpfel – laut Walter Vorbeck jedenfalls). Auch diesbezüglich musst Du mit mir nicht streiten, da sind David Mech & Co. die richtigen Ansprechpartner. Ich gebe nur das wieder, was ich in deren Publikationen gelesen habe. Wenn das falsch ist, möge man mir das verzeihen. Und gern andere Quellen nennen. Manchmal widersprechen sich Forscher ja auch einfach.

8) Das reicht leider nicht aus. Bei den Mengen, die bei Prey oder BARF serviert werden, erreicht man die notwendigen Werte nicht. Eine BARF-Ration für den 30-kg-Hund liefert am Tag etwa 0,8 µg Vitamin D, benötigt würden fast 6 µg. Leber reicht also nicht aus. Aber zeig mir gern Deine Berechnung, ich bin da sehr offen und immer interessiert an anderen Erfahrungen. Anders sieht es übrigens bei der Fütterung von Fisch aus, oder wenn die Tiere eben lange draußen sind. Leber allein reicht nicht, auch ein Ei pro Woche zusätzlich leider auch nicht.

9) Darmbakterien benötigen Faserstoffe, um sich davon zu ernähren. Enzyme können genau diese Faserstoffe nicht aufspalten, daher wandern die Nahrungsbestandteile weiter in den Dickdarm. Dort gibt es Bakterien, die dazu in der Lage sind, die jedoch auch andere Aufgaben übernehmen (Immunsystem). Daher findet im Dickdarm eine gewisse bakterielle Fermentation der aufgenommenen Faserstoffe statt. Aufgrund der Fleischfressereigenschaft von Hund (und Katze) findet das bei diesen Tieren aufgrund der Kürze des Dickdarms und der geradezu verkümmerten Blinddarms nur in geringem Maße statt, aber ein hohes Maß ist auch nicht notwendig, das reicht, um die Darmflora zu ernähren. Daher ist der Anteil an Faserstoffen ja recht gering. Die 120 g Gemüse, die oben in der Ration berücksichtigt sind, liefern dem 30 kg-Hund etwa 2 g Rohfaser. Zum Großteil besteht das Grünzeug ja nun einmal aus Wasser. Aus diesem Grund wird dann übrigens im verbleibenden Kot nur ein so geringer Anteil an Fasern festgestellt. Dem Kot wird schließlich im Dickdarm das Wasser zu einem großen Anteil entzogen. Natürlich ist ein zu hoher Anteil an Ballaststoffen nachteilig (das habe ich in einem anderen Artikel bereits dargelegt), dennoch benötigen Hunde einen gewissen Teil Rohfaser. Beschwerden bezüglich dieser Informationen sollten bitte direkt an Prof. Zentek gerichtet werden. Ich denke mir diese Dinge nicht aus, das ist der Job der Forscher.

Ich weiß nicht, ob die Barfer, die den Blog hier lesen, sich in diesen Gruppen so wohl fühlen werden. Der Artikel ist entstanden, weil es ständig Streit gibt (z. B. darum, ob man dem 30-kg-Hund nun mit den 2 g Rohfaser am Tag schadet oder nicht) und die beiden Gruppen so oft aneinander geraten. Mein Ziel war, etwas Aufklärungsarbeit zu leisten, die Fronten zu glätten, damit beide Gruppen sich einander annähern. Schon allein diese Diskussion hier zeigt, dass das scheinbar nicht gewünscht ist. Schade.

  1. Oktober 2015 um 21:45Maggy B. hat gesagt…

“Sechs” setzen bitte – Thema verfehlt Frau Judith Tubbesing!

Soweit ich! diesen Artikel verstanden habe, sollte er AnhängerInnen dieser beiden Gruppen befrieden und definitiv kein Futter für weitere Grabenkämpfe um das ‘beste’ und ‘seligmachenste’ Rohfutterkonzept liefern.
(die Quellen für die von Ihnen getroffenen Aussagen würden mich jedoch ebenso interessieren wie Frau Wolf)

@Nadine Wolf:
Die rechnerische Gegenüberstellung der beiden Rohfutterkonzepte B.a.r.F. und (Franken-)Prey ist Ihnen wieder einmal sehr gut gelungen und es gibt tatsächlich keinen Grund, sich bei Aufeinandertreffen dieser beiden Fraktionen in die Haare zu bekommen.
Mir persönlich reicht es ehrlich gesagt schon, uns der Kritik inkompetenter Tierärzte ausgesetzt zu sehen wenn es um die artgerechte Ernährung unserer Vierbeiner geht.

Grabenkämpfe zwischen Barfern und Preyern?
Nein DANKE!

Und Ihnen herzlichen Dank für diesen Artikel!
.

  1. Oktober 2015 um 14:36Doggenbändiger hat gesagt…

Liebe Nadine, schon am Tonfall von Frau Tubbesing kann man ablesen, dass eine friedliche Koexistenz der beiden Modelle gar nicht gewollt ist. Trotzdem Danke für den gelungenen Versuch. Ich bin immer wieder erstaunt wo die Leute ihr Wissen her haben, nicht nur bei der Diskussion um verschiedene Modelle, sondern allgemein wenn es um das Thema Rohfütterung geht. Und solange auf der Ebene von Vermutungen und Halbwissen diskutiert wird, bleiben Streitereien nicht aus. Im anonymen Internet geht das ja schadlos an den Leuten vorbei.
Auch wenn ich es mir aus gegebenem Anlass abgewöhnt habe auf solch einer Ebene zu diskutieren oder gar belehren zu wollen: Mir reicht es schon gegen die Trockenfuttermaffia zu argumentieren, da muss ich mich nicht noch um haarspalterische Unterschiede der Rohfütterungsmethoden streiten.

  1. Oktober 2015 um 09:16Cathleen Alt hat gesagt…Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.14. Dezember 2015 um 22:42Cathleen Alt hat gesagt…

Hallo Nadine unser sammy hat chronische Epi was wäre jetzt der richtige Weg beim barfen ? Nach wild heute hat er erbrochen. Ich habe etwas bedenken was falsch zu machen? Welches Fleisch undnin welcher Form sollnich ihm genen ? Mit obst und Gemüse oder ohne ? Was ist mit ölen und anderen Zusätzen und kräuter ? Es wäre toll wenn du mir helfen könntest. Liebe grüße cathi und sammy

  1. Dezember 2015 um 22:43Nadine Wolf hat gesagt…

Hi Cathleen, schau mal hier: http://barfers.de/barf_pankreas.html Ein Hund mit EPI ist krank, weshalb einige Anpassungen am Futterplan vorgenommen werden müsssen.

  1. Dezember 2015 um 14:55Anonym hat gesagt…

Hallo Frau Wolf,
mir gefällt der Artikel sehr gut.
Einerseits die Informationen aber auch der Versuch zu schlichten. Leider scheint die Toleranz und Offenheit der Menschen sehr begrenzt zu sein.
Hundebesitzer gegen Katzenbesitzer
Fertigfutter gegen Rohfutter
Prey gegen Barf
Und alle gegen den Tierarzt.

Dennoch interessiert mich für welches Futterungsmodell Sie selber bevorzugen und warum genau

  1. Juni 2016 um 11:49Anonym hat gesagt…

Hallo. Ich bin ein absoluter Neuling was das Rohfüttern angeht. Da mein Hund kein Konservenfutter verträgt, Trockenfutter schlicht stehen lässt habe ich nach Alternativen gesucht. Ich lese viel die letzten Tage über das Rohfüttern, ob barf oder pray, was ist das beste. Hm. Den Artikel an für sich finde ich richtig gut gelungen, denn vor lauter Infos habe ich echt nicht weiter gewusst. Hier werden die Gemeinsamkeiten/Unterschiede deutlich gezeigt und ich denke, es bleibt ja doch jedem selbst überlassen, wie er sich letztendlich entscheidet. Einen Krieg zu führen deswegen?! puh! Finde, diesen gibt es schon zuviel auf der Welt. Und am Ende wollen wir doch alle das Gleiche, nämlich unseren Fellnasen ein schönes gesundes Leben zu ermöglichen. Ich probiere beide Varianten und lasse meinen Hund entscheiden, was ihm besser gefällt. Das finde ich für mich und ihn am besten. VG

  1. September 2016 um 11:01Anonym hat gesagt…

Was hier aber ganz außer Acht gelassen wird, ist dass der Hund ein Hund ist und kein Wolf.
Im Gegensatz zum Wolf, der ein Carnivorer ist, ist der Hund ein Omnivorer, also ein Allesfresser, der eine andere Verdauung hat als der Wolf.
Und ja, sogar Kohlenhydrate kann dieser aufnehmen, er hat nämlich im Laufe der Domestikation, also der “Hund-Werdung” das Enzym alpha-Amylase erhalten, welches Stärke spaltet.
Dies wird bei Prey-Fütterung gar nicht berücksichtigt…

  1. Januar 2017 um 14:02Nadine Wolf hat gesagt…

Das Verdauungssystem von Hund und Wolf ist nahezu identisch. Es gibt einige Hunde, die mehr Gene zur Stärkeverdauung haben als Wölfe, aber das ist nicht bei allen der Fall. Auch Wölfe können Stärke verdauen. Sie sind aber keine Omnivore. Sie sind fakultative Carnivore.

  1. Januar 2017 um 16:15

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28. April 2017 / by / in

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