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Tierarztbesuch

Beim Tierarzt: Das vergessene Erziehungsthema

14.09.2016

Von Ralph Rückert, Tierarzt
Bei einer Umfrage unter Tierärzten bezüglich der nervigsten Verhaltensweisen von Kunden war erwartungsgemäß eine bestimmte Sache unter den Top Drei: Hund kommt auf den Behandlungstisch, Tierarzt fängt mit der Untersuchung an, Hund schnappt oder beißt, Besitzer sagt (manchmal gar grinsend): „Oh ja, sorry, hätte ich vielleicht erwähnen sollen, dass er das gern mal macht.“
Allzu häufig kommt das dankenswerterweise nicht vor, aber erlebt haben wir es alle schon. In solchen Fällen kann man eigentlich nur noch den Kopf schütteln und sich fragen, ob der betreffende Kunde noch alle Birnen im Kronleuchter hat. Man würde ja schon meinen, dass jedem klar sein müsste, was es für einen Tierarzt bedeuten kann, wenn er durch einen Biss ernsthaft verletzt wird, zum Beispiel an der Hand, oder? Da geht es manchmal (und ich kenne solche Fälle!) um zeitweise oder dauerhafte Berufsunfähigkeit und damit um Schadenssummen im Millionenbereich. Also bitte: Wenn man als Besitzer schon weiß, dass der eigene Hund dazu neigt, den Tierarzt oder sein Personal zu schreddern, dann ist es ein absolutes No-Go, dies nicht vorab klarzustellen.

Bild zur Neuigkeit

Was das eigentliche Thema des Artikels angeht, müssen wir aber gar nicht bis zu solch extremen Beispielen gehen. Erziehung ist in der Hundewelt ein Dauerbrenner. Nichts wird auf allen Kommunikationskanälen so häufig, so intensiv und so kontrovers diskutiert wie die vielen verschiedenen Erziehungs- und Trainingsmethoden. Man schreibt sich die Finger wund und die Köpfe heiß über gewaltfreies Training, über positive und negative Verstärkung, über das Meistern aller denkbaren und undenkbaren Situationen. Nur eines wird eigentlich immer vergessen: Wie bringe ich dem Hund bei, sich beim Tierarzt so zu benehmen, dass eine reibungslose und gründliche Untersuchung ohne großes Theater machbar ist!
Ich stelle hier mal die Behauptung auf, dass sich das genau umgekehrt proportional verhält: Je mehr die Theorie der Hundeerziehung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren zum Top-Thema geworden ist, desto mehr Hunde werden mir vorgestellt, die mir als Tierarzt irgendwelche Probleme machen und die oft nicht mal ansatzweise gelernt haben, wie sie sich in einer Tierarztpraxis zu verhalten haben. Wir sehen da wirklich alles von extrem zeitraubendem passiven Widerstand bis hin zu massiver Abwehraggression.
Im Prinzip ist das ja auch nicht weiter verwunderlich. Wie schon angedeutet, scheint dieser Punkt irgendwie völlig vergessen oder gar ignoriert zu werden, und zwar sowohl von den Hundehaltern als auch von den Erziehungsprofis in den Hundeschulen. Eigentlich (eigentlich!) würde man bei der heutzutage üblichen Intensität der Erziehungsbemühungen als Tierarzt erwarten, dass man immer wieder mal von lokalen Hundeschulen darauf angesprochen würde, ob ein Welpen- oder Junghundetraining in den Praxisräumen denk- und organisierbar wäre. Ist mir (oder anderen mir bekannten Kolleginnen und Kollegen) aber noch nie untergekommen.
Ab und zu kommen Besitzer von selbst auf die sehr sinnvolle Idee, mich zu fragen, ob sie immer mal wieder mit ihrem Hund vorbei schauen könnten, damit sich das Tier an diese Situation, an die Räumlichkeiten und an uns gewöhnen kann. Aber wirklich nur ab und zu. Meist geht diese Anregung von uns aus, und selbst das wird dann eher selten umgesetzt. Dabei haben wir schon des öfteren erleben können, wie sehr sich eine ausgewachsene Tierarzt-Phobie durch konsequentes Üben lindern lässt.
Also bitte: Für unsere Kunden gilt auf jeden Fall, dass ihnen unser Wartezimmer immer offen steht. Kommen Sie vorbei, sagen Sie am Empfang Bescheid, dass kein akutes Problem vorliegt und Sie uns nur besuchen wollen, nehmen Sie Platz, lassen Sie sich einen Kaffee oder ein Wasser servieren, verfolgen Sie das Geschehen oder lesen Sie eine Zeitung, alles gar kein Problem. Und wenn es organisatorisch gerade möglich ist, können Sie mit Ihrem Hund auch mal in ein Sprechzimmer, ohne dass ihm dabei etwas Unangenehmes passiert. Darum geht es nämlich meist: Der Hund muss lernen, dass ein Tierarztbesuch nicht zwangsläufig jedes Mal mit Zwang und Schmerzen verbunden ist, sondern auch mal höchst unterhaltsam und leckerchenlastig ablaufen kann.
Die in einen optimal für Tierarztbesuche erzogenen Hund investierte Mühe zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus. Zum einen kann so ein Tier sehr effektiv, gründlich und mit höheren Erfolgsaussichten auf eine korrekte Diagnose untersucht werden. Sie können ja mal selber zu schätzen versuchen, wie viel Konzentration ich noch für eine präzise Diagnostik übrig habe, wenn ich ständig aufpassen muss, dass das Ganze nicht plötzlich in Blut und Tränen endet. Oder wie genau man als Tierarzt einen Hund zum Beispiel auf Gebissprobleme untersuchen kann, der grundsätzlich einen Maulkorb braucht. Auch werden bei einem gut erzogenen Hund wahrscheinlich im Laufe des Lebens deutlich weniger Sedierungen und Narkosen fällig, und das bringt uns gleich zum finanziellen Aspekt: Ein gutes Tierarzt-Training spart bares Geld!
Unsere Gebührenordnung sieht sehr wohl vor, dass eine durch Widerstand des Tieres (sei er nun passiv oder aktiv) zeitlich in die Länge gezogene Untersuchung oder sonstige Maßnahme in die Berechnung der Behandlungsgebühren einfließen darf. Ich denke, wir sind dafür bekannt, dass wir sehr bemüht sind, auch auf schwierige Hunde mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen einzugehen. Wir haben es auch bei so einigen Hunden, die andernorts nur mit Maulkorb behandelt wurden, geschafft, auf diesen wieder zu verzichten. Wir dürfen uns aber nichts vormachen: Das alles kostet Zeit, und Zeit ist mein knappstes Gut. Also bin ich gezwungen, immer irgendwie die Uhr im Auge zu behalten und meine Zeit auch in Rechnung zu bringen. Ein Hund, bei dem alles reibungslos und geschmeidig abläuft, kommt also allemal billiger weg, und das kann sich über ein Hundeleben gerechnet massiv auswirken. Da sind ein paar Stunden Einzeltraining mit dem Hundetrainer in der Praxis der Wahl in der Regel gut angelegtes Geld.
Zu guter Letzt salbt ein Hund, der sich beim Tierarzt diszipliniert und kooperativ verhält, auch das Selbstwertgefühl des Besitzers. Es hat natürlich schon etwas grenzwertig Absurdes, wenn man in jeder Diskussion um Listenhunde den Spruch loslässt, dass grundsätzlich „das obere Ende der Leine“ für jegliches Fehlverhalten des Hundes verantwortlich wäre, sich aber gleichzeitig NICHT an die eigene Nase fasst, wenn der Hund sich beim Tierarzt aufführt wie ein Berserker.
Fazit: Gutes Benehmen beim Tierarzt ist grundsätzlich eine Erziehungssache. Bei einem Hund, den man von Welpenbeinen an hat, sollte das eine Selbstverständlichkeit sein. Bei vorbelasteten Tieren aus dem Tierschutz muss oft ungleich mehr Mühe investiert werden. Wir sind grundsätzlich gerne bereit, Sie bei Ihren diesbezüglichen Bemühungen zu unterstützen. Wir können Sie aber nicht wie den unwilligen Jagdhund zum Jagen tragen. Ein gewisses Maß an eigenem Engagement sollte also schon vorhanden sein.
Wenn Sie dann aber mal in der Praxis sind, ist es so oder so zu spät für irgendwelche Erziehungsmaßnahmen. Dann sollten Sie sich auf keinen Fall verkrampfen, weil der Hund sich nicht vorbildlich benimmt, und uns einfach mal machen lassen. Wir sind Profis und kommen mit so gut wie allem irgendwie klar. In diesen Situationen gilt mein früherer Artikel „Entspannen Sie sich! Bitte!„.
Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr
Ralph Rückert
 
© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Römerstraße 71, 89077 Ulm
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20. Oktober 2017 / by / in
Ferienregion Silberstedt mit Hund

Ferienregion Silberstedt – Urlaub in der vielfältigen Flusslandschaft der Treene

In der idyllischen Ferienregion Silberstedt wird deutlich, dass Urlaub mit Hund nicht immer an den Stränden der Ostsee oder der Nordsee stattfinden muss. Auch ein Fluss kann seine Reize haben: In der schönen Region Eider-Treene-Sorge ist die Natur entlang der Flusswege so ursprünglich, wie sie in Schleswig-Holstein eben nur sein kann. Bäume lassen ihre langen Äste hinab ins Wasser hängen, Kühe grasen neben dem Flusslauf, hier und da steht ein Fischreiher mit den Beinen im Nass. Mehr Durchatmen als mitten auf der Treene in einem Kanu ist eigentlich nicht möglich. Kleine Wiesen laden zum Anlegen ein – für das leibliche Wohl sind die Snacks im Kanu-Fass sicher verstaut.

<p>Aktiv in Schleswig-Holstein kann man am besten auf dem Wasser sein - sogar mit Hund.</p>

Aktiv in Schleswig-Holstein kann man am besten auf dem Wasser sein – sogar mit Hund.

Foto: Condoleeza, Pixabay

– Quelle: https://www.shz.de/17001261 ©2017

9. September 2017 / by / in
Für meinen Mäx/ Kenobi von der Wolfskaule

Heute vor 4 Jahren bin ich losgefahren ……………Richtung Eifel mein kleiner Schatz. Ich war so aufgeregt und wußte nicht so wirklich was auf mich zukommt. Es war auch wirklich nicht ganz so einfach die erste Zeit. Du warst, na sagen wir ANDERS !! ob anders als erwartet oder anders als normal weiß ich bis heute nicht. Immer noch in tiefer Trauer um Sam konnte ich Dich anfangs nicht so wirklich lieben, ja gern gehabt hab ich Dich auf jeden Fall. Aber Liebe….mmhhh Liebe die kam dann nach und nach! Du bist ein Clown, ein Witzbold, ein Schatz! Und dann die andere Seite, oha verrückt, aufgedreht ohne Ende, fordernd na ja sagen wir mal ein stets gut gelaunter lustiger Schäfi der auch ab und an mal eine sehr konkrete Ansage braucht. Nach sehr harten Trainingseinheiten an mir selbst und natürlich mit Dir haben wir es geschafft zueinander zu finden. Ein Hund der Spaß macht, der für mich durchs Feuer gehen würde und dem Alles schmeckt, der stets sehr nahe bei Frauchen ist. Sogar nachts mit im Bett schläft, auch bei heissen Temperaturen, der am liebsten den ganzen Tag unterwegs wäre, einfach ein Mäx !!! Der Himmel hat Dich geschickt und dafür möchte ich dankbar sein!

8. September 2017 / by / in
Radfahrer-Jogger- Gassigänger mit Hund

Ein ziemlich großes Problem in Unna nachdem der Wanderweg, die alte Bahntrasse die von Königsborn nach Werl führt zum Alleenradweg umgebaut und umbenannt wurde. Radfahrer mit Rennhelmen auf dem Kopf die von hinten ohne Warnsignal auf die Spaziergänger und teils auf die Hunde auffahren regen mich fürchterlich auf. Angepasste Geschwindigkeit bei hohem Verkehrsaufkommen ( grins ja es ist Sonntag machmal wie auf einer Autobahn) wäre angebracht.

Ich grübel oft darüber nach, wir Hundehalter mit unseren Hundesteuern wurden da gar nicht erst gefragt oder eventuell mit eingebunden in die neue Sache, die sicher für die neuen Akku Opas sehr interessant ist. Was gab es da bereits für Vorfälle die ich mit ansehen durfte oder leider auch schon selber erfahren mußte.

Ich wünsche mir für den neuen Alleenradweg REGELN! denn leider macht dort jeder was er will. 

 

 

 

8. September 2017 / by / in
Impfen mit Verstand

Positionsbestimmung
10.01.2016
Von Ralph Rückert, Tierarzt

Meine lieben Leserinnen und Leser, ein Wort zur Warnung: Auf diesen über 5000 Wörter umfassenden Artikel muss man sich einlassen wollen. Das Thema ist in meinen Augen viel zu komplex, um es in Kurzform abhandeln zu können. Fangen Sie am besten erst an zu lesen, wenn Sie auch ein wenig Zeit übrig haben. Vielleicht ein Glas Wein, eine große Tasse Kaffee, ein paar Zigaretten? Fertig? Also, los geht’s!

Nach wie vor beschweren sich (praxisfremde) Leser unserer Facebook-Seite in Kommentaren bitterlich, dass ihre Hunde und Katzen jedes Jahr gegen alles geimpft würden, was der Impfstoff-Kühlschrank hergibt. Und nach wie vor sehe ich Impfpässe von zu uns wechselnden Kunden, die belegen, dass nicht wenige Kolleginnen und Kollegen das tatsächlich so handhaben und ihre Patienten unbeirrt massiv überimpfen. So viele Jahre nach Veröffentlichung der maßgeblichen Impfleitlinien kann einem das natürlich nicht gefallen.
Warum werden die Leitlinien in einigen Praxen nicht konsequent umgesetzt oder sogar vorsätzlich missachtet? Ich kann da nur mutmaßen: Kolleginnen und Kollegen, die außer auffällig niedrigen Gebühren wenig gute Argumente für ihre Praxen ins Feld führen können, sind oft ganz entscheidend von den durch Impfungen generierten Umsätzen abhängig. In solchen Aldi-Praxen können Impfungen mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes ausmachen. Da kann sich eine Reduktion der Impfhäufigkeit natürlich extrem unangenehm auswirken. In anderen Fällen mögen auch mangelnde Flexibilität und ungenügender Fortbildungswille eine Rolle spielen. Wie gesagt, ich kann nur spekulieren, weil ich es letztendlich nicht wirklich verstehe. Auf jeden Fall laufen da gern mal wieder genau die Kunden ins offene Messer, für die es in erster Linie billig sein muss.

Andererseits liegt es natürlich ein Stück weit auch an Ihnen als Tierbesitzer. Bei so manchem Kommentar denke ich für mich: „Du bist aber echt das ideale Opfer, weil du einfach zu faul warst, dich auch nur ein bisschen zu informieren!“ Und das, obwohl ich und andere Kolleginnen und Kollegen, die öffentlich gut wahrnehmbar sind, seit Jahren auf die existierenden Leitlinien hinweisen und diese im Netz auch für jedermann sehr gut zugänglich sind. Ich muss aber natürlich einräumen, dass Sie sich eigentlich nicht informieren müssen sollten. Normalerweise sollten Sie sich nämlich darauf verlassen können, dass Ihre Tierärztin / Ihr Tierarzt das schon richtig macht.

Da diesbezüglich aber Wunsch und Wirklichkeit nicht in allen Fällen übereinstimmen, starte ich hier einfach einen erneuten Anlauf, Sie zu informierten Tierbesitzern zu machen, die dazu in der Lage sind, unnötig häufiges Impfen auch als solches zu erkennen. Wir fassen in diesem Artikel also Impfempfehlungen wie die der WSAVA (World Small Animal Veterinary Association), der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (Stiko Vet), der AAHA (American Animal Hospital Association) und der Medizinischen Kleintierklinik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Vorstand Prof. Dr. Katrin Hartmann) zusammen und ziehen daraus weitergehende Schlüsse für unsere eigene Impfpraxis.

Generell stimmen die Aussagen der genannten Leitlinien in vielen Punkten überein. Wo es Unterschiede gibt, sind diese oft dem Umstand geschuldet, dass die jeweiligen Leitlinien für unterschiedliche Zielgruppen verfasst wurden. Die WSAVA hat natürlich die ganze Welt im Blick, die AAHA nur (Nord-)Amerika, die Stiko Vet und die Münchner Universitätstierklinik nur Deutschland bzw. Europa. Hierzulande müssen uns also die beiden deutschen Leitlinien besonders interessieren.

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission Vet mit ihren auf dem Feld der Immunologie hoch angesehenen Mitgliedern sind für Deutschland das, was man in der Medizin gern als „Goldstandard“ bezeichnet, sozusagen das Maß der Dinge. Sollte je ein Tierarzt von einem Patientenbesitzer vor Gericht beschuldigt werden, entweder zu viel oder zu wenig geimpft zu haben, wird der Richter mit Sicherheit die Leitlinien der Stiko Vet zu Rate ziehen und an erster Stelle in seine Entscheidung einfließen lassen. Grundsätzlich kann man also weder als Tierarzt noch als Tierbesitzer etwas falsch machen, wenn man sich einfach an die Stiko-Empfehlungen hält.

Also, dann arbeiten wir uns da mal durch, und zwar nur unter Berücksichtigung der Krankheiten, gegen die üblicherweise geimpft wird, also beim Hund Tollwut, Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose und eventuell Parainfluenza, bei der Katze Tollwut, Feline Leukämie, Katzenseuche und Katzenschnupfenkomplex (mit seinen zwei Unterkomponenten Felines Calici- und Felines Herpes-Virus).

Ganz allgemein und in allen Leitlinien wird zwischen zwei Elementen des Impfens unterschieden: Zum einen der Grundimmunisierung, die dem erstmaligen Aufbau des Impfschutzes dient, zum anderen den Auffrischungs-Impfungen zum Erhalt desselben. Einer sorgfältigen Grundimmunisierung wird von allen Leitlinien die allergrößte Bedeutung beigemessen, und es herrscht auch weitgehende Einigkeit darüber, wie diese durchzuführen ist.

– Staupe, Parvovirose und Hepatitis beim Hund (Abkürzung auf den Impfpass-Etiketten: SHP oder bei ausländischen Impfstoffen DHP, wobei das D für Distemper steht, die englische Bezeichnung für Staupe): Wird zum ersten Mal ab der 8. Lebenswoche geimpft und dann alle drei bis vier Wochen bis zum Erreichen der 16. Lebenswoche, also in der Regel drei Mal. Wirkt ein wenig wie Overkill, macht aber Sinn. Die Welpen bekommen von der Mutter die sogenannten maternalen Antikörper mit auf den Weg, die sie in den ersten Wochen vor Infektionen schützen sollen. Ohne aufwändige und mehrfache Titerbestimmungen, die zwar theoretisch machbar, im Alltag aber sicher nicht praktikabel sind, kann man nicht wissen, wie viele maternale Antikörper bei den Welpen eines Wurfes für wie lange vorhanden sind. Man geht davon aus, dass diese Antikörper irgendwann zwischen der 8. und der 16. Woche ihre Wirksamkeit verlieren. Was wir haben wollen, ist ein möglichst fließender und lückenloser Übergang zwischen dem Schutz durch maternale Antikörper und dem Schutz durch die Impfungen. Maternale Antikörper verhindern aber den Aufbau eines Impfschutzes, drehen sozusagen den Impferregern den Kragen um, bevor sie richtig wirksam werden können. Hat ein Welpe sehr viele dieser Antikörper, kann es sein, dass erst die dritte Impfung mit 16 Wochen einen echten Effekt erzielt, die beiden vorhergehenden aber mehr oder weniger wirkungslos verpuffen. Warum dann nicht überhaupt erst mit 16 Wochen impfen, werden Sie fragen. Ganz einfach: Weil sonst bei Welpen mit wenigen maternalen Antikörpern Tür und Tor für eine fatale Infektion offen stehen würde, und zwar in einem riskanten Zeitraum, in dem sie durch Welpengruppenbesuche und ihr noch wenig kompetentes Immunsystem sowieso akut gefährdet sind. Man nennt diese kritischen Wochen auch die immunologische Lücke, die es durch das mehrfache Impfen zu überbrücken gilt.

– Bei der Katze wird die Grundimmunisierung gegen Katzenseuche und Katzenschnupfen (im Impfpass: RCP) nach dem genau gleichen Schema aufgebaut. Daran mag sich in nächster Zeit etwas ändern, weil neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die maternalen Antikörper bei Katzenwelpen teilweise so lange wirksam bleiben, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der bis zur 16. Woche dreimal geimpften Tiere immer noch keinen ausreichenden Impfschutz aufgebaut hat.

Wichtig: Abgeschlossen wird die Grundimmunisierung bei beiden Tierarten erst mit einer letzten Impfung im Alter von 15 Monaten!

Und ebenfalls wichtig: Bei Tieren, die mit über 12 Wochen erstmals geimpft werden, reicht eine zweimalige Impfung im Abstand von 3 bis 4 Wochen aus, natürlich wieder gefolgt von der die Grundimmunisierung abschließenden Nachimpfung mit ca. 15 Monaten.

Ich kann gar nicht genug betonen, für wie wichtig ich es halte, dass diese Vorgehensweise möglichst genau eingehalten wird. Regelmäßige Leser meines Blogs wissen, dass wir seit Dezember 2014 einen Titer-Schnelltest in der Praxis einsetzen, um die Notwendigkeit von Auffrischungs-Impfungen besser einschätzen zu können. Es zeichnet sich mit jedem Test, den wir durchführen, immer deutlicher ab, dass wohl nichts den Aufbau eines wirksamen Impfschutzes effektiver verhindert als Schlamperei bei der Grundimmunisierung. Dagegen haben sauber grundimmunisierte Tiere regelmäßig deutliche und lang anhaltende Titer, eventuell ja sogar – was bestimmte Krankheiten angeht – einen lebenslang belastbaren Impfschutz.

Ach ja, noch etwas zur oft als inzwischen unnötig bezeichneten Impfung gegen die Hepatitis contagiosa canis, die ansteckende Leberentzündung des Hundes, die ja in dem oben erläuterten Schema enthalten ist: Die Krankheit wird durch das Canine Adenovirus (CAV) Typ 1 verursacht. Die konsequente Impfung der letzten Jahrzehnte hat dazu geführt, dass dieser Erreger nur noch sehr selten nachgewiesen wird, meist bei Importwelpen aus Osteuropa. Da aber der bedauerliche Trend zum Wühltischwelpen unvermindert anhält und man bei der heutzutage üblichen Impfmüdigkeit bestimmter Tierbesitzer allemal damit rechnen muss, in der Welpenspielgruppe auf einen Überträger zu stoßen, macht die Impfung immer noch einen gewissen Sinn. Die aktuellen Impfstoffe richten sich zudem gegen das CAV Typ 2, das für seine Beteiligung am Zwingerhusten-Krankheitsgeschehen bekannt ist, gleichzeitig aber auch eine Kreuzimmunität gegen CAV Typ 1 induziert, was einen Doppelnutzen darstellt.

Jetzt müssen wir uns noch um die Krankheiten kümmern, die ich zwar oben aufgezählt, aber noch nicht besprochen habe:

– Tollwut bei Hund und Katze (im Impfpass: T oder auf ausländischen Etiketten R für Rabies): Die Stiko Vet hebt darauf ab, dass aufgrund der Tatsache, dass Deutschland seit Jahren frei von terrestrischer Tollwut ist, die flächendeckende Tollwut-Impfung nicht mehr wirklich als absolut notwendig bezeichnet werden kann. Bei Tieren, die am grenzüberschreitenden Reiseverkehr teilnehmen, führt an der regelmäßigen Impfung aber kein Weg vorbei. Darüber hinaus stellt die deutsche Tollwut-Verordnung ein nicht geimpftes Tier viel schlechter als ein geimpftes: Gerät ein Tier unter Tollwut-Verdacht, ist es bei nicht gültiger Impfung ohne jede Diskussion zu töten! Andererseits ist schwer vorstellbar, unter welchen Umständen beispielsweise eine nicht am Reiseverkehr teilnehmende Katze, die mitten in Deutschland lebt, je unter Tollwutverdacht geraten könnte. In dieser Frage muss der Besitzer eine informierte Entscheidung treffen. Meine eigenen freilaufenden Katzen (alle zwischen 11 und 15 Jahre alt) sind zwar gut grundimmunisiert, werden aber inzwischen nicht mehr nachgeimpft. Ausschließlich im Haus gehaltene Katzen brauchen natürlich auf keinen Fall eine Tollwut-Impfung.

Wird eine Tollwut-Impfung benötigt, so reicht nach der aktuellen Gesetzeslage eine einmalige Impfung im Alter von mindestens 3 Monaten (nicht 12 Wochen!) für die Grundimmunisierung aus. Die in den Leitlinien empfohlene zweite bzw. dritte Impfung 3 bis 4 Wochen später und mit 15 Monaten geht über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, kann aber unter immunologischen Gesichtspunkten sinnvoll sein, dies insbesondere, wenn schon zu diesem Zeitpunkt klar ist, dass das Tier wegen Reisen in nicht gelistete Drittländer eine dafür erforderliche Titerbestimmung benötigen wird.

– Parainfluenza beim Hund (im Impfpass: Pi): Das Canine Parainfluenza Virus (CPiV) ist (wie das oben schon angesprochene CAV2) EINER der Erreger, die am Zwingerhustenkomplex (Infektiöse Tracheobronchitis) beteiligt sind. Eine Impfung gegen CPiV wird also niemals eine Zwingerhusten-Infektion verhindern können, sondern nur helfen, die Symptome und eventuell die Dauer der Erkrankung zu vermindern. Speziell was dieses Thema angeht, wäre ich echt froh, wenn ich nicht ständig das vorwurfsvolle Genörgel von uninformierten Besserwissern lesen müsste, die sich bar jeder Sachkenntnis lautstark darüber beschweren, dass ihr Hund trotz CPiV-Impfung einen Zwingerhusten bekommen hätte. Ein für allemal: Das ist normal! Die Erkrankung verläuft nur weniger fies. Diese Impfkomponente reitet in den meisten Fällen in Kombinationsimpfstoffen mit. Ich halte sie besonders beim Welpen und Junghund, der besonders viel Kontakt zu Artgenossen hat bzw. haben soll (Welpengruppe, Hundeschule, etc.) durchaus für sinnvoll, wenn auch nicht für zwingend notwendig. Unsere eigenen Hunde und die meisten unserer Kunden erhalten diese Impfung. Die Grundimmunisierung erfolgt – wenn gewünscht – bei Verwendung des entsprechenden Kombinationsimpfstoffes sozusagen automatisch zusammen mit der gegen Staupe/Hepatitis/Parvovirose.

– Sonderfall Leptospirose beim Hund (im Impfpass: L, oft kombiniert mit einer Zahl, also z.B. L4): Ob gegen diese Krankheit geimpft werden soll oder nicht, ist sicher die schwierigste Entscheidung für sowohl Besitzer als auch Tierarzt. Leptospiren sind eine Familie von Bakterien mit über 200 Untertypen. Der zu diesem Zeitpunkt modernste Impfstoff (Nobivac L4) schützt nur gegen vier der häufiger vorkommenden Untertypen, nicht aber gegen den Rest. Es ist also sehr wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass auch ein geimpfter Hund sehr wohl an einer Leptospirose erkranken kann. Die Impfung verbessert also eigentlich nur die Chancen des Hundes, sich nicht anzustecken. Die Schutzwirkung erreicht nicht mal annähernd das Niveau, das wir von den gegen Viren gerichteten Impfungen kennen Dazu kommt, dass die Lepto-Impfstoffe als relativ „bissig“ gelten und speziell bei Zwergrassen ein gewisses Potential für unerwünschte Nebenwirkungen der gemeineren Art haben.

Selbst unter den Immunologie-Koryphäen der verschiedenen Impfkommissionen herrscht bezüglich dieser Impfung absolut keine Einigkeit. Während die deutsche Stiko Vet die Leptospirose-Impfung nach wie vor als Core-Komponente und somit als absolut notwendig einstuft, rät die WSAVA dazu, speziell bei Zwergrassen (Toy Breeds) nur dann zu impfen, wenn sicher ist, dass im lokalen Umfeld des Hundes mit dem Auftreten der Leptospirose zu rechnen ist. Die Leptospirose wird durch den Harn von Wildnagern (Ratten und Mäusen) übertragen. Besonders sich gut erwärmende, stehende Wasserflächen und Pfützen stellen ein Risiko dar. Da unser Terrier Nogger ein echter Wasserhund ist und die Leptospirose in Ulm immer wieder mal Hunde erwischt, wird er im Sinne einer Chancenverbesserung regelmäßig geimpft. Bei einem wasserscheuen und mehr oder weniger in der Handtasche lebenden Chihuahua würde ich dagegen eher dazu neigen, auf diese Impfung zu verzichten. Wichtig zu wissen: Im Gegensatz zu den Viruserkrankungen ist die Leptospirose als bakterielle Infektion in der Regel mit Antibiotika erfolgreich zu behandeln, was aber eine frühe Diagnose voraussetzt, weil sehr schnell irreparable Schäden entstehen können. Ich kann also allen Besitzern, auch denen von geimpften Hunden, nur dringend raten, sich die leider wenig spezifischen Symptome einer Leptospirose (Fressunlust, Erbrechen, Fieber) einzuprägen und beim geringsten Verdacht schleunigst die Tierarztpraxis des Vertrauens aufzusuchen, idealerweise gleich mit einer Urinprobe im Gepäck.

Wenn Sie sich für die Leptospirose-Impfung entscheiden, so besteht die Grundimmunisierung aus zwei Impfungen im Abstand von 3 bis 4 Wochen ab der 8. Lebenswoche und einer dritten Impfung mit 15 Monaten. Die Verträglichkeit (gerade bei kleinen Hunden) kann nach unserer Erfahrung verbessert werden, indem man die Leptospirose-Komponente zeitlich getrennt von den anderen Impfstoffen verabreicht.

– Feline Leukämie (Felines Leukämie Virus, FeLV) bei der Katze (im Impfpass uneinheitliche Etiketten: Meist L oder FeLV): Für Stubenkatzen ohne Kontakt zu Freigängern ist diese Impfung absolut nicht notwendig, für Freigänger dagegen sehr wichtig. Das Mindestalter für die Grundimmunisierung liegt bei acht Wochen. Es wird zwei Mal im Abstand von 3 bis 4 Wochen und ein drittes Mal mit 15 Monaten geimpft.

So, damit haben wir die Grundimmunisierung mit den üblichen Komponenten durch. Exotischere Impfungen wie zum Beispiel die gegen Borreliose, Leishmaniose, Tetanus und Babesiose beim Hund und gegen Chlamydien und FIP bei der Katze sind eventuell ein Thema für einen anderen Artikel. Dieser hier wird schon so lang genug.

Jetzt kommen wir zum eigentlich heißen und ohne Unterlass für Diskussionen sorgenden Thema, auf das Sie wahrscheinlich alle gewartet haben, nämlich zu den Auffrischimpfungen nach abgeschlossener Grundimmunisierung. In diesem Punkt, der Dauer der Immunität (Duration of Immunity, DOI) gibt es große Unterschiede in der Auffassung auch der Experten, was man an unterschiedlichen Empfehlungen in den verschiedenen Leitlinien gut ablesen kann. Wir kommen leider wieder nicht umhin, die Impfkomponenten einzeln zu betrachten.

– Tollwut bei Hund und Katze: Was diese Impfung angeht, gibt es keine Diskussion, solange sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht ändern. Wird der Impfschutz benötigt, muss er auch aktuell gehalten werden. In welchen Zeitabständen eine Auffrischung zu erfolgen hat, geht verpflichtend aus dem Beipackzettel des verwendeten Impfstoffes hervor. Bei den in meiner Praxis gebräuchlichen Impfstoffen (Nobivac T für den Hund und Purevax Rabies für die Katze) ist die DOI nach abgeschlossener Grundimmunisierung mit drei Jahren festgesetzt. Um im rechtlichen Sinne den Impfschutz lückenlos aufrecht zu erhalten, darf diese Frist nicht um einen Tag überschritten werden. Ist der Nachimpftermin überzogen worden, führt das zu einer erneuten Karenzzeit von 21 Tagen, bis die Impfung wieder für den Reiseverkehr gültig ist. Besonders wichtig ist dieser Punkt für Tiere, bei denen schon mal der offizielle Tollwut-Titer für Reisen in nicht gelistete Drittländer als ausreichend bestimmt wurde. Bei lückenloser, termingerechter Nachimpfung bleibt diese Titerbestimmung lebenslang gültig. Wird dagegen ein Nachimpftermin auch nur um einen Tag überschritten, muss die Titerbestimmung erneut durchgeführt werden.

– Die Staupe/Hepatitis/Parvovirose-Combo beim Hund: Die Stiko Vet hält Nachimpfungen im dreijährigen Abstand für ausreichend, die Impfempfehlungen der Universität München gehen von einer DOI von drei bis vier Jahren aus und in den Leitlinien der WSAVA ist (vergleichsweise progressiv) von Nachimpfungen nicht häufiger als alle drei Jahre die Rede. Speziell die WSAVA lässt da also richtig Luft nach oben, was durchaus bemerkenswert ist. Im Prinzip akzeptiert die Vaccination Guideline Group der WSAVA mit dieser Formulierung sogar die Unterstellung einer lebenslangen DOI, also den gänzlichen Verzicht auf Auffrischimpfungen nach Abschluss der Grundimmunisierung.

– Parainfluenza beim Hund: Die notwendigen Zeitabstände für Nachimpfungen sind umstritten. Während die Stiko Vet und die WSAVA von nur einem Jahr ausgehen, hält die Medizinische Kleintierklinik München eine DOI von mindestens drei Jahren für gegeben und rät darüber hinaus bei Hunden, die keinem starken Infektionsdruck durch Großveranstaltungen oder ähnlichem ausgesetzt sind, nach der erfolgten Grundimmunisierung von weiteren Nachimpfungen ab. Allerdings: Auf der Website der Kleintierklinik gibt es einen Widerspruch. In einer Publikation wird das Nachimpfintervall für die Parainfluenza mit drei Jahren angegeben, in der anderen mit nur einem Jahr.

– Leptospirose beim Hund: Hier herrscht Einigkeit, dass für eine Aufrechterhaltung der begrenzten Schutzwirkung mindestens jährliche Nachimpfungen nötig sind.

– Die Katzenseuche/Katzenschnupfen-Combo bei der Katze: Da stoßen wir schon wieder auf gravierende Unterschiede in den Auffassungen der Experten. Zwar wird für die Katzenseuche-Komponente einheitlich eine DOI von drei Jahren oder mehr unterstellt, bezüglich der beiden Katzenschnupfen-Komponenten (Calici und Herpes) aber sieht die Stiko Vet die DOI für Freigänger bei nur einem Jahr, bei Stubenkatzen bei zwei Jahren. Die Medizinische Kleintierklinik München und die American Association of Feline Practitioners AAFP gehen dagegen bei sorgfältig grundimmunisierten Katzen von einer DOI von drei Jahren aus. Die WSAVA gesteht zu, dass die beiden Schnupfenkomponenten keine so robuste Immunität bieten wie die gegen Katzenseuche, empfiehlt aber trotzdem (mit leichtem Zähneknirschen, wie es scheint) ein Intervall von drei Jahren.

– Feline Leukämie (FeLV) bei der Katze: Wieder Uneinigkeit! Die Stiko Vet empfiehlt die jährliche Nachimpfung und nennt keine Altersbegrenzung nach oben. Die WSAVA rät zur Nachimpfung nicht häufiger als alle drei Jahre, wieder ohne Altersbegrenzung. Die Münchner Kleintierklinik dagegen hält Intervalle von drei Jahren für ausreichend und stellt ab einem Alter von etwa 8 Jahren diese Impfung ein, weil sich zu diesem Zeitpunkt eine Altersresistenz gegen die Krankheit entwickelt haben sollte.

Übrigens, wichtige Info: Wenn ein Tier nach korrekter Grundimmunisierung aus irgendwelchen Gründen über längere Zeiträume nicht nachgeimpft worden ist, ist nicht etwa eine wie auch immer geartete erneute Grundimmunisierung mit mehreren Impfungen notwendig. Lassen Sie sich da nichts einreden. Eine einzige Auffrischung reicht, um alles wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Bei der Grundimmunisierung dagegen kann ein Versemmeln der richtigen Zeitabstände (zum Beispiel ein Intervall von sechs Wochen anstatt drei bis vier) dazu führen, dass man wieder von vorne anfangen darf.

So, geschafft! Und was machen wir jetzt bei uns in der Praxis? Liebend gerne würde ich mich präzise an den „Goldstandard“ der Stiko-Leitlinie halten (und habe das auch jahrelang getan), weil man dadurch als Tierarzt rechtlich mehr oder weniger unangreifbar wird. Unter dem schon mehrfach erwähnten Impfmotto „So wenig wie möglich, so häufig wie nötig“ sind mir aber die deutlich progressiveren Empfehlungen der Münchner Kleintierklinik unter Frau Prof. Dr. Hartmann wesentlich sympathischer. Katrin Hartmann ist übrigens auch Mitglied der Stiko Vet und scheint mit den Impfempfehlungen der von ihr geleiteten Universitätstierklinik einen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, mit dem sie sich in der Kommission eventuell nicht ganz durchsetzen konnte.

Ich drifte also in meinem Impfverhalten schon seit einiger Zeit immer mehr in Richtung Münchner Impfschema und bin mit dem (auch in München eingesetzten) Titer-Schnelltest jetzt auch bereit und in der Lage, den nächsten Schritt zu noch längeren Impfintervallen zu gehen. Der Schnelltest kann zu verschiedenen Zeitpunkten in der „Impfkarriere“ des Tieres zum Einsatz kommen, um die Notwendigkeit einer Auffrischimpfung zu verifizieren, zum Beispiel vor der letzten Impfung der Grundimmunisierung mit 15 Monaten oder drei Jahre nach dieser. Sowohl die unter Impfkritikern berühmten Untersuchungen von Prof. Ron Schultz (Mitglied der Vaccination Guideline Group der WSAVA) als auch die in der Humanmedizin üblichen Impfleitlinien und die von uns in der Praxis bisher durchgeführten Schnelltests geben uns klare Hinweise darauf, dass eine sauber durchgezogene Grundimmunisierung in vielen (aber sicher nicht allen!) Fällen einen zumindest für viele Jahre, wenn nicht sogar lebenslang anhaltenden Impfschutz gewährt.

Die jetzt von den Kommissionen angeführten und auch in den Beipackzetteln der Hersteller genannten Immunitätsfristen sagen rein gar nichts über die echte DOI. Sie sind nur Ausdruck der bisher hieb- und stichfest beweisbaren bzw. für die Zulassung der jeweiligen Impfstoffe gewählten Zeiträume. Ich habe also kein Problem damit, wenn sich ein Tierbesitzer auf eigene Verantwortung dazu entschließen sollte, auch mal (mit oder ohne Schnelltest, je nach Sicherheitsbedürfnis) länger als drei Jahre mit der SHP(Pi)-Combo beim Hund oder der Seuche/Schnupfen-Combo bei der Katze auszusetzen. Ich bin mir, wenn auch nicht hundertprozentig, so doch ziemlich sicher, dass das kein Problem sein sollte.

Übrigens: Mit das größte Problem bei dem Versuch, längere Impfintervalle durchzusetzen bzw. den Kunden zu empfehlen, dürften die Zuchtverbände und -vereine sowie Tierpensionsinhaber darstellen. Bei Hunde-Großveranstaltungen und Turnieren muss man froh sein, wenn man bei der Einlasskontrolle nicht auf einen verknöcherten Alt-Funktionär stößt, der noch nie was von dreijährigen Impfintervallen gehört hat und einen mit aus tiermedizinischer Sicht perfekt geführtem Impfpass wieder nach Hause schickt. Für Besitzer, die solche Veranstaltungen besuchen oder ihr Tier von Zeit zu Zeit in Tierpensionen unterbringen wollen, verbieten sich aus diesen Gründen bislang jegliche Experimente mit den Nachimpfintervallen. In solchen Fällen kann ich nur dazu raten, sich genau an die Leitlinien der Stiko Vet zu halten.

Damit wir nicht zu überschwänglich werden, jetzt mal zur anderen Seite der Medaille: So ganz komme ich als wissenschaftlich arbeitender Tierarzt dann doch nicht aus meiner Haut raus. Ein gewisses Unbehagen, sozusagen ein Restzweifel, bleibt. Ich würde halt gerne Beweise für eine sieben- oder zehnjährige oder gar lebenslange Immunitätsdauer sehen, und die liegen bislang leider nicht wirklich vor. Auf gut Deutsch: Es kostet mich kleinen Praktiker ganz schön Nerven, gegen die Großkopfeten der Immunologie anzustinken und meinen Patienten zu raten, unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. dauerkrankes, altes Tier) auf Nachimpfungen weitgehend zu verzichten. Ich wäre auch sehr ungern für einen Patienten verantwortlich, der das Sprichwort vom Krug, der so lange zum Brunnen geht, bis er bricht, durch eine fatale Erkrankung bestätigt. Man denke nur an die aktuell wieder zunehmenden Parvovirose-Infektionen durch Importwelpen. Wir müssen uns da schrittweise vorarbeiten, was logischerweise nur in Echtzeit geht. Die Tiere, deren Impfstatus beobachtet wird, um bezüglich der notwendigen Impfintervalle neue Daten zu gewinnen, müssen ja auch erst mal fünf, zehn oder fünfzehn Jahre alt werden, bis man entsprechende Aussagen treffen kann. Da braucht es schon mehr als nur ein wenig Geduld. Und wir müssen uns immer mal wieder daran erinnern, dass wir in der Tiermedizin mit der Staupe, der Parvovirose, der Katzenseuche, der Felinen Leukämie und natürlich der Tollwut gegen Krankheiten impfen, die nicht nur ein wenig unangenehm, sondern echte Killer sind. Allzu viel Spielraum für Fehler gibt es da nicht.

Dazu kommt ein in meinen Augen sehr gewichtiger, von Impfkritikern aber gern übersehener ethischer Aspekt: Wirklich beweisende Untersuchungen zur Immunitätsdauer (DOI) sind zwangsläufig Challenge-Versuche, denn die Impftiter allein helfen uns diesbezüglich nicht weiter. Bei Challenge-Versuchen werden Hunde und Katzen, die vor so und so langer Zeit geimpft wurden, vorsätzlich mit dem echten Felderreger infiziert, um dann zu sehen, ob sie noch ausreichend geschützt sind. Sind sie es nicht mehr, werden sie natürlich krank und landen in der Pathologie. Nicht wirklich nett für die jeweiligen Probanden! Will man das konsequent durchziehen, benötigt man ganze Kohorten von Versuchstieren, die nach meinem Verständnis während der zu beobachtenden Zeiträume (also über viele Jahre) eigentlich komplett isoliert gehalten werden müssten, da sie ja ansonsten in freier Wildbahn dem echten Felderreger begegnen könnten, der dadurch für eine Nachimpfung auf natürlichem Wege sorgt. Es stellt sich also in Anbetracht der sehr kleinen bis geradezu winzigen Nebenwirkungswahrscheinlichkeiten von Impfungen schon die Frage, wie hysterisch und egoistisch wir sein und wie viele Versuchstiere wir dran glauben lassen wollen, nur damit unser eigener Vierbeiner ja nicht einmal zu viel geimpft wird.

Warum überhaupt die ganze Wallung und der enorme Aufwand? Warum ballern wir nicht weiter wie früher unter dem Motto „Sicher ist sicher“ einfach jedes Jahr alles in das Tier rein, was geht? Nun, ganz einfach: Weil es sich im Lauf der Jahre zunehmend als unnötig herausgestellt hat. Bei einer ganz und gar unnötigen Intervention gelten auch noch so kleine Nebenwirkungsrisiken als inakzeptabel.

Welche unerwünschten Nebenwirkungen machen uns eigentlich Sorgen? Mal abgesehen von den für Impfungen generell üblichen Problemen wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen an der Impfstelle, Abgeschlagenheit, leichtem Fieber, allergischen Reaktionen usw., also Dingen, die im Vergleich zu den Krankheiten, gegen die man impft, Kleinigkeiten sind, gibt es zwei Sachen, die einem wirklich Bauchweh machen können:

– Das injektionsassoziierte Fibrosarkom der Katze: Jede Injektion (nicht nur Impfungen!), die eine lokale Entzündung der Unterhaut verursacht, hat mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 1 zu 5000 das Potential, Jahre später ein Fibrosarkom, einen sehr bösartigen Tumor des Bindegewebes, auszulösen. Deshalb auch die Verlagerung des bevorzugten Injektionsortes am Körper der Katze vom Nacken zur seitlichen Bauchwand oder an die Hintergliedmaße, wo diese Art von Tumor besser operiert werden kann. Deshalb auch das Bemühen, die Katze wirklich mit so langen Intervallen wie möglich zu impfen. Und deshalb auch die in unserer Praxis verwendete komplett adjuvantienfreie Katzen-Impfstoff-Linie Purevax, die durch das (technisch schwierige) Weglassen von Adjuvantien weniger entzündungsauslösend ist und damit auch weniger Fibrosarkome verursachen sollte.

– Impfungen können unter bestimmten Umständen Autoimmunerkrankungen auslösen. Spätestens seit dem unstrittigen Nachweis des Zusammenhanges zwischen dem Human-Impfstoff Pandemrix (gegen das Schweinegrippe-Virus H1N1) und dem vermehrten Auftreten der Narkolepsie (geimpfte Personen haben ein 13-faches Risiko im Vergleich zu ungeimpften) dürfte das als gesichert gelten. Für den Hund wird ein Zusammenhang zwischen bestimmten Impfungen (Leptospirose?) und immunvermittelten Krankheiten wie zum Beispiel der Autoimmunen Hämolytischen Anämie (AHA) zumindest diskutiert. Da reden wir von sehr schlimmen und absolut lebensbedrohlichen Krankheiten, die man keinem wünschen möchte. Wir wollen sie dementsprechend auch nicht durch zu häufiges Impfen auslösen. Andererseits: Für einen Haustierarzt wie mich, der im Jahr weit über 5000 Patienten sieht, können viele Jahre vergehen, bis er mal wieder eine AHA auf den Tisch bekommt. In Anbetracht der Tatsache, dass so gut wie jeder meiner Patienten auch geimpft ist, ist das natürlich nichts, weswegen man panisch werden müsste. Das gilt übrigens auch für den erwähnten Zusammenhang zwischen dem Impfstoff Pandemrix und der Narkolepsie: Etwa 6,4 Millionen Deutsche haben diese Impfung erhalten, die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle von Narkolepsie liegt bei 50 bis 60.

Ansonsten werden von verschiedenen Seiten alle möglichen Erkrankungen mit Impfungen in Verbindung gebracht, ohne dass es dafür wissenschaftlich tragfähige Beweise gäbe. Man muss ja heutzutage nur einen epileptischen Anfall beim Hund mit dem Handy filmen, ihn auf Facebook stellen und einfach behaupten, dass die L4-Impfung von vor drei Tagen, drei Wochen oder drei Monaten das verursacht hätte, und schon glauben das wieder ein paar Millionen. Schließlich steht es im Internet, also muss es ja wohl stimmen. Na ja, da machste nix dran! Meine sicher vielen von Ihnen bekannte Kollegin Sophie Strodtbeck kontert solche geistig reichlich einfach gestrickten Schlussfolgerungen gerne mit der Bemerkung, dass die meisten Hunde, die einen ersten epileptischen Anfall bekommen, höchstens eine Stunde zuvor durch eine Tür gegangen sind, was aber nicht bedeuten muss, dass das Durchschreiten von Türen Epilepsie auslöst. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kann wissenschaftlich nicht ausschließen, dass Impfungen in extrem seltenen Fällen auch eine Epilepsie auslösen können. Das Gegenteil, also der Beweis dafür, ist aber bisher eben auch nicht angetreten worden.

Wenn wir von Nebenwirkungen reden, müssen wir uns auch noch kurz um das Thema Adjuvantien kümmern. Adjuvantien sind Hilfsstoffe, die der Impfung (in der Regel einem Totimpfstoff) beigegeben werden, um eine stärkere Immunantwort auszulösen. Viele Menschen fürchten sich vor Adjuvantien, trotz einer ziemlich eindeutigen Datenlage zur Ungefährlichkeit dieser Hilfsstoffe. Was Adjuvantien angeht, sieht es bei unseren vierbeinigen Patienten gar nicht so schlecht aus. Katzen können wir dank der von uns verwendeten Purevax-Impfstoff-Linie lebenslang adjuvantienfrei impfen. Beim Hund stoßen wir nur beim Tollwut-Impfstoff auf ein Adjuvans auf Aluminiumphosphat-Basis. Typischerweise lassen Adjuvantien die Mediziner völlig kalt (auch bei sich selbst), die Impfkritiker dagegen machen sich deswegen regelmäßig in die Hose. Wie auch immer man dazu stehen mag: Der für die Katze zugelassene und adjuvantienfreie Purevax-Tollwut-Impfstoff lässt hoffen, dass es auch für den Hund alsbald so etwas geben könnte. Dann wäre wenigstens Ruhe mit dem Theater.

Aber, oh weh, sowohl im Tollwut- als auch im Leptospirose-Impfstoff findet sich das Konservierungsmittel Thiomersal! Quecksilber!!! Supergiftig!!! Und wieder sitzt der Mediziner ungerührt da und lacht sich eins über die grassierende Paranoia. Bei Thiomersal handelt es sich um Ethylquecksilber, das wesentlich schneller wieder aus dem Körper ausgeschieden wird als das mit der Nahrung aufgenommene Methylquecksilber. Und wie das Methylquecksilber mit der Nahrung aufgenommen wird! Wenn Sie Ihrem Vierbeiner Dosen oder Trockenfutter mit Fischanteil kaufen, bekommt er mit jeder Mahlzeit mehr Quecksilber ab als mit der einen Impfdosis einmal im Jahr. Also lasst uns bitte auf dem Teppich bleiben!

Ein abschließendes Fazit bzw. persönliches Statement in griffigen Sätzen (in Fachpublikationen nennt man das seit einiger Zeit ganz hip und modern „Take Home“):

– Die Leitlinien der Ständigen Impfkommission Vet sind seit Jahren für Deutschland der „Goldstandard“. Kolleginnen und Kollegen, die immer noch stur jährlich gegen alles impfen, machen dem Berufsstand damit keine Ehre und verhalten sich ihren Kunden gegenüber nicht korrekt.

– Es sollte keinem Tierarzt vorgeworfen werden, wenn er sich an die Leitlinien der Stiko Vet hält und noch längere Impfintervalle als verfrüht und zu riskant ablehnt. Jeder hätte gern berufliche Rechtssicherheit, und die ist mit dem genauen Befolgen der Stiko-Leitlinien weitgehend zu bekommen.

– Allerdings stehen in meinen Augen die Stiko-Empfehlungen im Vergleich zu anderen Leitlinien – und hier besonders denen der Münchner Kleintierklinik – schon wieder ein wenig altbacken da. Eventuell tut sich da aber bald was Neues, nachdem die Kommission gerade von Grund auf umorganisiert wurde.

– Die perfekte Grundimmunisierung ist meine persönliche heilige Kuh! Meiner Meinung nach entstehen die meisten Impflücken durch eine schlampige oder unvollständige Grundimmunisierung.

– Wenn sich ein Tierbesitzer auf eigene Verantwortung dazu entschließt, nach einer guten Grundimmunisierung (!) mehr als dreijährige Impfintervalle anzustreben oder gegen die Krankheiten, für die das in Frage kommt, ab einem bestimmten Alter gar nicht mehr impfen zu lassen, dann bin ich der Letzte, der da im Weg steht. Titer-Schnelltests sind dafür nicht unverzichtbar, können aber eine gewisse Orientierungshilfe in diesem unübersichtlichen Gelände bieten.

– Wie die Guideline Group der WSAVA und so einige andere Kolleginnen und Kollegen bin ich – ohne es beweisen zu können – der Meinung, dass eine gut aufgebaute Immunität gegen Viruserkrankungen viele Jahre, vielleicht sogar lebenslang bestehen bleibt. Es muss aber auch klar sein, dass mit dem Ausreizen der Nachimpfintervalle ein gewisses Risiko verbunden ist.

– Impfungen gegen Krankheiten, die nur in jungen Jahren ein Risiko darstellen, sollten auch entsprechend zur richtigen Zeit eingestellt werden. Dies betrifft vor allem die FeLV-Impfung bei der Katze, die wir nur bis zum siebten Lebensjahr geben. Bei Hunden, die nicht regelmäßig einem erhöhten Infektionsdruck (z.B. auf Großveranstaltungen) ausgesetzt sind, kann nach erfolgter Grundimmunisierung die Nachimpfung gegen Parainfluenza wegfallen.

– Was für den einen Hund oder die eine Katze richtig sein mag, ist es noch lange nicht für jedes Tier. Es ist deshalb in jedem Fall wichtig, unter Berücksichtigung vieler Faktoren (aktueller Stand der Wissenschaft, Vorgeschichte, Alter, Lebensumstände, Dauererkrankungen, etc.) für das jeweilige Tier einen maßgeschneiderten Impfplan zu formulieren.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie vor etwa 25 Jahren Professor Marian Horzinek (Mitglied sowohl der Stiko Vet als auch der Vaccination Guideline Group der WSAVA) auf der Bühne der Baden Badener Kleintiertage stand und provokant fragte: „Wie oft haben Sie sich denn gegen Masern nachimpfen lassen? Gar nicht? Warum impfen Sie dann die Staupe beim Hund jedes Jahr?“ (Man muss dazu wissen, dass das Staupe- und das Masernvirus sehr eng verwandt sind.) Als ganz junger Tierarzt, dem man das jährliche Nachimpfen richtig ordentlich eingeimpft hatte, dachte ich für mich und sicher gemeinsam mit 90 Prozent der anwesenden Kolleginnen und Kollegen: „Wo ist der Typ denn ausgebrochen?“. Das, worüber wir heute diskutieren, hätte ich mir damals sicher nicht träumen lassen.

So, das war’s jetzt aber. Ich bin sicher, dass es in den Kommentaren auf Facebook neben viel Zustimmung auch wieder jede Menge Propaganda von Impfverweigerern (Anti-Vaxxern) geben wird, die sowieso erst dann zufrieden wären, wenn wir verblendeten Big-Pharma-Impfsklaven endlich zugeben würden, dass sie die Schlausten überhaupt sind. Und ich möchte wetten, dass wieder irgendwer völlig zusammenhanglos verkünden wird: Wir BARFEN!!! Aber das alles soll die große Mehrheit der Vernünftigen nicht weiter kratzen. Ich hoffe, Sie empfinden meine Informationen als nützlich, und bitte Sie wie gewohnt:

Bleiben Sie uns gewogen, bis bald, Ihr

Ralph Rückert

8. September 2017 / by / in ,
Hunde im Urlaub allein lassen ???

Oft stellt sich diese Frage im Urlaub wenn man mal beabsichtigt, eine größere Radtour zu unternehmen

oder mal Chic essen zu gehen.Oder eventuell die Strandpromenade mit einem tollen

Einkaufsbummel verbinden möchte

 

Wenn man die richtige Unterkunft hat und den Hund langsam dran gewöhnt warum nicht?

Es gelten immer folgende Regeln:

Erst sollte der Hund ausgelastet werden und an die neue Umgebung gewöhnt werden.

 

 

Am Tag der Ankunft in der Urlaubsunterkunft sollte der Hund erst einmal die Möglichkeit haben

sich mit allem vertraut zu machen.

Am zweiten Tag kann man dann schon einmal einige Minuten den Hund allein lassen und es stets erhöhen,

so daß man eventuell auch einmal den Hund einige Stunden in fremder Umgebung allein zurücklassen kann.

Natürlich ist das individuell nach Charakter einzustufen. Aber ein ausgelasteter zufriedener Hund ist vollkommen in der Lage auch einmal in der Ferienwohnung einige Zeit allein zu bleiben.

 

19. Mai 2017 / by / in
Barf- Prey Model was ist besser??

http://mashanga-burhani.blogspot.de/2015/09/barf-vs-prey-model-was-ist-besser.html

 

DIENSTAG, 29. SEPTEMBER 2015

BARF VS. PREY MODEL – WAS IST BESSER?

In Internetforen und Diskussionsgruppen schlagen sich zwei Gruppen von Rohfütterern regelmäßig die Köpfe ein, im Streit darum, wer nun das bessere Fütterungskonzept verfolgt. Es mutet häufig wie ein Religionskrieg an: Barfer und Preyer haben meist leider kein gutes Wort füreinander übrig. Ich persönlich finde diesen Streit abwegig und unnötig, denn man streitet sich bei genauerer Betrachtung über Feinheiten. Die Überschrift des Artikels ist natürlich provokant gewählt. Aber ruhig Blut, keines der beiden Modelle wird in diesem Artikel schlecht wegkommen. Schauen wir uns an, inwieweit sich die beiden Fütterungsmodelle überhaupt unterscheiden und noch wichtiger, was sie gemeinsam haben.

 

Was ist BARF?

BARF steht im deutschen Sprachgebrauch für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Artgerechte Haltung ist definiert als eine Orientierung an der ursprünglichen Lebensweise einer Tierart. Biologisch gesehen ist der Haushund der Art „Wolf (Canis Lupus)“ zuzuordnen. Demzufolge orientiert sich die biologisch artgerechte Ernährung von Haushunden an jener von Wölfen. Wölfe ernähren sich bekanntermaßen von Beutetieren. Demzufolge muss sich eine Ernährung, die das Wort „artgerecht“ beinhaltet, ebenfalls am Aufbau eines Beutetieres orientieren. Man spricht auch vom Beutetierprinzip: Bei BARF wird also ein Beutetier nachgebaut. Da Beutetiere eine bestimmte Zusammensetzung haben, sieht die Ration folgendermaßen aus:

Die Futtermenge setzt sich zu 20 % aus pflanzlichen Komponenten zusammen und zu 80 % aus tierischen. Der pflanzliche Anteil besteht wiederum aus 75 % gemischtem, püriertem Gemüse und 25 % Obst, der Anteil tierischer Zutaten zu 50 % aus durchwachsenem Muskelfleisch wechselnder Sorten (Fettanteil 15‒25 %), 20 % Pansen / Blättermagen, 15 % gemischten Innereien (z. B. Leber (30 %), Rest: Niere, Milz, Lunge, Herz) und 15 % gemischten rohen, fleischigen Knochen (½ Knochen, ½ Fleisch).

Diese Ration wird regelmäßig durch die Zugabe von Omega-3-Fettsäuren lastigen Ölen (z. B. Lachsöl, Leinöl), frischen Eiern, Kräutern, Algen, Nüssen / Samen, Bierhefe und Lebertran ergänzt, weil es nicht möglich ist, das Beutetier „perfekt“ nachzubauen. Dadurch fehlen dem Hund gewisse Nährstoffe, die durch diese Ergänzungen zugeführt werden.

Was ist das Prey-Model?

Das Wort „Prey“ ist Englisch und bedeutet „Beutetier“. Demnach wird auch bei dieser Fütterungsart nach dem Modell potentieller Beutetiere gefüttert, genau wie bei BARF. Genau genommen würde man bei Prey eigentlich komplette Beutetiere füttern – inkl. Blut, Fell etc., sonst bestünde auf den ersten Blick kein großer Unterschied zu BARF.

Mittlerweile hat sich aber eine abgewandelte Form der Fütterung als Prey Model durchgesetzt, die ebenfalls Beutetiere nachbaut, an Stelle diese komplett zu füttern, weil das aus organisatorischen Gründen natürlich oftmals nicht machbar ist. Es gibt keine einheitliche Definition der Zusammensetzung der Ration, aber die üblichen Angaben sind leicht abweichend zu BARF:

Die Futtermenge setzt sich zu 80‒90 % aus Muskelfleisch (teilweise anteilig auch Pansen / Blättermagen) wechselnder Sorten (Fettanteil 15‒25 %), 5‒10 % Innereien (davon 50 % Leber sowie Niere, Milz, Lunge) und 5‒10 % rohen, blanken Knochen (100 % Knochen)*.

Püriertes Obst oder Gemüse werden nicht integriert, auch Zusätze werden meist nicht gegeben. Jedoch erhält der Hund beim Prey Model aufgrund der noch stärkeren Ausrichtung an der Ernährung in der Wildnis Zugang zu Komponenten, die Wölfe für gewöhnlich ebenfalls aufnehmen: Fell, Blut, Kot von Pflanzenfressern (Achtung – Warnhinweis unten), Kräuter, Beeren, Wurzeln etc.

*Die Fütterung der Knochen erfolgt dann aber auch als fleischiger Knochen. Die „blanken“ Knochen beziehen sich lediglich auf die Berechnung der Mengen. Auch bei Prey wird auf eine gute Ummantelung der Knochen mit Fleisch geachtet.

 

Die Gegenüberstellung

Es wird immer wieder darüber gestritten wie stark unterschiedlich die Zusammensetzung der beiden Fütterungsmethoden doch sei. Sieht man sich zwei Rationen jedoch im Vergleich an, so stellt man fest, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben als Differenzen. Dass das auf den ersten Blick nicht auffällt, hat mehr mit mathematischen, denn mit faktischen Unterschieden zu tun.

Ein 30 kg schwerer Hund bekommt ca. 500–600 g Futter am Tag. Da beim Prey Model der Anteil an Obst und Gemüse weggelassen wird, brauchen die Hunde insgesamt etwas weniger Futter, denn diese Komponente liefert bekanntermaßen keine Energie und auch keine nennenswerten Mengen an Nährstoffen. Die Gesamtfuttermenge unterscheidet sich daher, wobei jedoch die Menge an tierischen Komponenten insgesamt gleich ist und diese ist ausschlaggebend für den Beutefresser Hund:

Komponente BARF, 600 g Prey Model, 480 g
Muskelfleisch 240 g 384 g
Pansen 96 g
Innereien

Davon Leber

72 g

24 g

48 g

24 g

Knochen 72 g als RFK = 36 g blanker Knochen, 36 g Fleisch 48 g als blanker Knochen
Anteil tierischer Zutaten 480 g 480 g
Gemüse / Obst 120 g entfällt
Zusätze Algen, Eier, Omega-3-lastiges Öl entfällt

In der Tabelle wird von ungerundeten Werten ausgegangen, um den Vergleich besonders genau durchführen zu können. In der täglichen Fütterung würde natürlich niemand auf die Idee kommen 24 g genau abzuwiegen…

Die Gemeinsamkeiten

Betrachtet man die Daten, stellt man schnell fest, dass die Unterschiede nicht wirklich groß sind. Jedenfalls nicht groß genug, um sich deswegen in die Haare zu kriegen. Aus diesem Grund habe ich auch die Überschrift „Gemeinsamkeiten“ gewählt und nicht „Unterschiede“, denn eins lässt sich wohl kaum abstreiten: Sowohl Barfer als auch Preyer haben nur ein Ziel: Der Hund soll gesund und artgerecht ernährt werden – ohne braune Getreidekugeln, oder?

Nicht die kleinen Unterschiede zwischen BARF und Prey Model machen unsere geliebten Vierbeiner krank! Junk Food macht Hunde krank!

Und weder BARF, noch Prey gehören dieser Kategorie an. Beide Fütterungsmethoden sind grundsätzlich gleich gut dafür geeignet, dem Hund eine gesunde Lebensgrundlage zu bieten. Man muss sich nicht über ein paar Prozentangaben bei der Verteilung streiten und auch nicht darüber, ob man dem Hund nun Grünzeug gibt oder nicht. Diese Unterschiede sind aus ernährungsphysiologischer Sicht Nichtigkeiten im Vergleich zur Alternative, nämlich Fertigfutter. Aber sehen wir uns alles im Detail an.

MUSKELFLEISCH / PANSEN

Der Einfachheit halber werde ich diese beiden Komponenten im Folgenden als „Fleisch“ zusammenfassen. Je nach Auslegung des Prey Models setzt sich der Fleischanteil entweder aus reinem Muskelfleisch oder auch Anteilen von Pansen zusammen. Einige Preyer lehnen Pansen ab, da er in der natürlichen Nahrung der Wölfe nicht vertreten sei. Das ist nicht ganz richtig bzw. kommt darauf an, wo die Wölfe leben – es gibt Exemplare in Kanada, die ernähren sich laut der Wolfsforscherin Elli H. Radinger ausschließlich von Lachs, einige italienische Wölfe (vom Wolfsforscher Luigi Boitani als „Spaghetti-Wölfe“ bezeichnet) fressen Dinge, die Müllhalden zu bieten haben und Kadaver… Die Nahrung der Lausitzer Wölfe beispielsweise besteht zu über 75 % aus Tieren, die Wiederkäuer sind (Rehe, Rothirsch, Damhirsch) und somit über einen Pansen verfügen.[1]

Der Unterschied zum Rinderpansen ist eher, dass sich im Pansen von wild lebenden Tieren keine Reste von Kraftfutter befinden wie es beim Rinderpansen üblicherweise der Fall ist. Aber eigentlich spielt das ohnehin keine Rolle, denn Wölfe fressen den Inhalt des Pansen sowieso nicht mit: Sie schütteln so lange daran herum, bis die Futterreste überall auf dem Boden verstreut sind. Der Pansen selbst wird allerdings selbstverständlich gefressen. Und auch Barfer servieren ihn in der Regel „entleert“.

Betrachtet man diese Komponenten aus ernährungsphysiologischer Sicht, so liegen die wichtigsten Unterschiede in der Aminosäurenzusammensetzung, dem Fettgehalt und dem Gehalt an Calicum (als herausragender Nährstoffunterschied). Muskelfleisch hat die bessere Aminosäurenzusammensetzung und den höheren Fettgehalt, liefert dafür aber nicht so ein ausgeglichenes Ca:P-Verhältnis wie Pansen. Alles hat eben seine Vor- und Nachteile.

Ob nun Pansen gefüttert wird oder man ihn durch Muskelfleisch ersetzt, spielt aber eigentlich keine große Rolle – auch einige Barfer verzichten auf diese Komponente, was sich für den Hund nicht nachteilig auswirkt.

Betrachten wir die nackten Zahlen:

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF Muskelfleisch + Pansen 240 + 96 g = 336 g
Prey Muskelfleisch (+Pansen) 384 g

Der Unterschied ist also eher gering. Soll man sich wirklich über diesen Unterschied streiten? Zumal er sich, wie wir gleich sehen werden, auch noch ausgleichen wird…

 

INNEREIEN

Beide Fütterungskonzepte sehen gewisse Mengen an Innereien vor, was auch gut und wichtig ist. Es gibt andere Konzepte der Rohfütterung, bei denen diese Komponente nicht berücksichtigt wird. Das ist weder bei BARF, noch bei Prey der Fall. In diesem Punkt herrscht also grundsätzlich Übereinstimmung, nur die Mengen sind leicht unterschiedlich:

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF Innereien 72 g, davon 24 g Leber
Prey Innereien 48 g, davon 25 g Leber

Offenbar wird in beiden Fütterungskonzepten auch die Wichtigkeit von Leber berücksichtigt, was den realistischen Tatsachen im Beutetier entspricht, denn die Mengen sind fast gleich. Ein kleines Beutetier, was von einem Hund erlegt und gefressen werden könnte (wie z. B. ein Kaninchen) besteht zu 3,3 % aus Leber – was dieses innere Organ zum größten im Beutetier macht. Beide Konzepte bilden diese Menge ab, was für den Hund vorteilhaft ist, da die Leber besonders nährstoffreich ist. Bei BARF ist der Innereienanteil insgesamt etwas höher – der 30 kg schwere Hund aus dem Beispiel bekommt bei BARF also 24 g mehr Innereien am Tag, das entspricht unter 0,1 % des Körpergewichts dieses Hundes. Ein Unterschied, den man vielleicht sogar vernachlässigen kann und über den man aber auf keinen Fall streiten muss.

Hinzukommt, dass dafür bei BARF der Anteil an Fleisch etwas geringer ist und daher an dieser Stelle der mengenmäßige Ausgleich stattfindet.

Ernährungsphysiologisch betrachtet, unterscheiden sich Innereien und Fleisch vor allem im Hinblick auf den Vitamin- und Mineralstoffgehalt – die Aminosäurenzusammensetzung ist recht ähnlich, wobei Muskelfleisch und z. B. Leber oder Niere eine sehr gute Zusammensetzung haben und Pansen, Milz, Lunge etc. eher eine befriedigende, weil der Bindegewebsanteil höher ist. Innereien wie Leber, Niere und Milz sind aber abgesehen davon im Vergleich zu Muskelfleisch sehr reich an Vitamin A, D, B1–12, Kalium, Eisen, Kupfer, Jod und Selen. Einige dieser Nährstoffe kommen natürlich auch im Blut oder blutigem Fleisch vor. Barfer füttern keine ganzen Beutetiere, sondern ausgeblutetes Fleisch, also fehlt z. B. in der Regel das Blut. Durch den etwas höheren Innereienanteil bei BARF wird diesem Umstand gewissermaßen Rechnung getragen. Insgesamt gibt es aber m. E. bei 24 g ohnehin keinen Grund, sich die Köpfe einzuschlagen 😉

KNOCHEN

Auch hier gibt es keinen Grund, zu streiten: Bei beiden Modellen sind Knochen enthalten, was den natürlichen Gegebenheiten im Beutetier entspricht. Ein kleines Beutetier wie etwa ein Kaninchen besteht zu 8,5 % aus reinen Knochen. Größere Beutetiere wie z. B. Rinder haben etwas mehr Knochenmasse und liegen eher bei 10 %. Diese Daten beziehen sich auf das Lebendgewicht des Tieres, nicht das Schlachtgewicht. Gleiches trifft natürlich auf wilde Beutetiere zu: ein Wildhase hat einen relativ gesehen geringeren Knochenanteil als ein Bison. Aber betrachten wir die Mengen im Detail, wobei berücksichtigt werden muss, dass bei BARF von RFK (rohe, fleischige Knochen = (½ Knochen + ½ Fleisch) ausgegangen wird und bei Prey von blanken Knochen.

Fütterungsmethode Komponente Menge
BARF RFK = ½ Knochen + ½ Fleisch 72 g RFK = 36 g Fleisch + 36 g blanker Knochen
Prey Knochen = blanker Knochen 48 g blanker Knochen

Möchte sich jemand über die 12 g Unterschied streiten? Bei einem Hund, der 30 kg wiegt und bereits mit dem Calcium aus 36 g Knochen bereits ausreichend versorgt ist. Schlagt Ihr Euch wirklich deswegen die Köpfe ein? Und dass, obwohl keiner von Euch die vermutlich genau abmessen könnte, würde oder wollte und das auch nicht notwendig ist? Nicht doch!

Die 38 g Fleisch, die an den RFK bei BARF noch übrig sind, kann man übrigens zur Komponente „Fleisch“ addieren. Dann hätten wir bei BARF 336 g Fleisch + 24 g Innereienüberschuss + 36 g Fleisch (½ der RFK = Fleisch) = 396 g (vs. 400 g bei Prey – die 4 g kann man wohl bei einem 30 kg schweren Hund als unerheblich betrachten, es gibt also eine weitere Gemeinsamkeit!)

Beide Modelle bilden offensichtlich die Verhältnisse im Beutetier korrekt ab. Der Knochenanteil entspricht realistischen Daten und mit beiden Konzepten wird diese Menge auch zugeführt. Alles ist gut, kein Grund, sich zu streiten. Die unterschiedlichen Zahlen (10 % vs. 15 %) kommen lediglich daher, dass Barfer durch den pflanzlichen Anteil eine höhere Gesamtfuttermenge haben, bei RFK von 50 % Knochensubstanz ausgehen und sich die 15 % auf den tierischen Anteil beziehen. Die relativen Zahlen mögen unterschiedlich sein, die absoluten sind es faktisch nicht!

GEMÜSE / OBST

Nun kommen wir auf eine der Komponenten zu sprechen, die immer wieder in Diskussionen und Streit ausartet: das Grünzeug! Betrachten wir die Fakten:

  • Wölfe fressen Beutetiere, wobei sie kleine komplett verzehren (inkl. Fell und Inhalt des Darm-Traktes) und bei großen Tieren durchaus den Pansen / Magen ausschütteln, sowie Teile des Fells und Teile der Knochen zurücklassen. Wölfe stürzen sich NICHT zuerst auf den Mageninhalt, nein, sie lassen ihn eher liegen. Wölfe fressen bei größeren Beutetieren zuerst die inneren Organe, wie Leber, zerren dann große Brocken von Muskelfleisch heraus und fressen dann je nach Nahrungslage den Rest entweder komplett oder lassen große Knochen und Fellteile liegen. Der vorverdaute Darminhalt wird im Gegensatz zum Mageninhalt recht gern gefressen.[2]
  • Wölfe fressen (auch in Zeiten guter Versorgungslage) Kot von anderen Tieren, Gras und Kräuter, Beeren etc.[3] (So sieht das dann aus: http://www.dailymotion.com/video/x7ik3l_wolves-eating-berries_animals)
  • Aus Studien zur Kotzusammensetzung von Wölfen geht hervor, dass sich in der Losung der Tiere zu 0,3 % Beeren, 1,9 % Pflanzenmaterial und etwa 3,4 % andere Bestandteile wie Blätter, Äste und Steine befinden. Letzteres gilt als unfreiwillig aufgenommen.[4] Die Mengenangaben sind nicht gleichzusetzen mit dem Anteil dieser Dinge in der Nahrung, denn im Kot sind schließlich nur die unverdaulichen Reste von Nahrung nachweisbar. Das bedeutet, dass ein Wolf weit mehr als 1,9 % frisches Pflanzenmaterial aufnehmen muss, um im Kot 1,9 % nachweisen zu können.
  • Warum Wölfe freiwillig Pflanzenmaterial und andere unverdauliche Bestandteile aufnehmen, ist nicht bekannt. Man vermutet, dass diese Dinge den Darm von Parasiten und Haaren befreien oder als Brechmittel dienen.[5]
  •  Ein Beutetier, was von einem Hund erlegt und gefressen werden könnte (z. B. ein Kaninchen) besteht zu ca. 20 % aus Fell (11,7 %) und Darminhalt (9,7 %)[6] – beides ist schwer verdaulich und dient als Ballaststoff in der Nahrung und könnte aufgrund der geringen Größe nur schwer „ausgeschüttelt“ werden.
  •  Hunde benötigen unverdauliche Nahrungsbestandteile (Ballaststoffe) zur Aufrechterhaltung der Darmperistaltik (durch unverdauliche Bestandteile steigt der Füllungsdruck im Darmkanal) und außerdem unverdauliche Faserstoffe, zur Gesunderhaltung ihrer Darmflora (die „guten“ Bakterien im Dickdarm ernähren sich nämlich davon).[7]
  • Obst und Gemüse enthalten sekundäre Pflanzenstoffe, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken können.[8]

Soviel zu den Fakten, die nachgewiesen und erforscht sind und als Grundlage für die Diskussion dienen (sollten). Hunde und Wölfe scheinen einen gewissen Anteil unverdaulicher Faserstoffe in der Nahrung zu benötigen und im Falle ihrer natürlichen Nahrung auch aufzunehmen. Die erforderliche Menge ist gering.

Das heißt aber natürlich nicht, dass man zwingend Obst und Gemüse füttern muss. Die Preyer liegen richtig mit der Annahme, dass püriertes Grünzeug in erster Linie nicht zur natürlichen Ernährung von Caniden gehört. Der Wolf steht nicht mit seinem Vitamix im Wald und püriert fleißig seine Wochenportion. Das erledigen die Beutetiere für ihn, indem sie sich mit Haut und Haar fressen lassen und Grünzeug zerkleinern, vorverdauen und dem Wolf als leckeren Darminhalt gleich mit servieren. Aus diesem Grund kann man sich das Grünzeug bei Prey natürlich sparen, vorausgesetzt man füttert ganze Beutetiere (inkl. Fell und Darminhalt).

Alternativ kann man unverdauliche Nahrungsbestandteile auch anderweitig zur Verfügung stellen und dem Hund Zugang zum Kot anderer Tiere (Achtung – Warnhinweis unten), Gras und Beeren ermöglichen. Damit können die o. g. Fakten auch in der Ernährung des Hundes umgesetzt werden, ganz ohne Mixer.

Wer das nicht macht, berücksichtigt eine wichtige, natürliche Komponente der Ernährung von Wölfen nicht und folgt damit auch keinem Beutetiermodell. Und da liegt der Knackpunkt, denn einige Hundehalter ignorieren diesen Umstand. Sie zerren ihren Hund von Schafskötteln weg, oder verbieten ihm Gras zu fressen etc. Wenn der Hund all diese Dinge ohnehin nicht will, dann ist das vielleicht eine andere Sache, aber sie sollten zur Verfügung gestellt werden.

Füttert man ganze Beutetiere, kann man sich das Pürieren also schenken. Barfer haben da keine andere Wahl. Sie müssen den Ballaststoff- und Faseranteil anderweitig zuführen. Und das geschieht dann der Einfachheit halber über püriertes Grünzeug, was durch die enthaltene Cellulose für den Hund weitgehend unverdaulich ist und noch sekundäre Pflanzenstoffe enthält, die vorteilhaft für die Gesundheit der Tiere sind (Wölfe bilden das ab, indem sie z. B. frische Beeren fressen). Die Mengen sind außerdem überschaubar: Auch wenn 20 % Grünzeuganteil auf den ersten Blick viel erscheinen mögen, sollte man nicht vergessen, dass der Rohfaseranteil von Obst und Gemüse sehr gering ist. In den oben in der Ration veranschlagten 120 g Gemüse-Obst-Mix sind etwa 2 g Rohfaser enthalten. Pro Tag. Für einen 30 kg schweren Hund… 2 g! Der Rest ist hauptsächlich Wasser. Aber man muss ja kein Grünzeug füttern, um diese 2 g zuzuführen. Manche Hunde wollen keine veganen Komponenten im Futter. Dann kann man ganz geringe Mengen Flohsamenschalen (2 g in dem genannten Beispiel) geben oder man füttert Fell (z. B. Hasen- oder Rinderohren mit Fell) oder lässt den Hund in Ruhe „grasen“.

ZUSÄTZE

Bei den Zusätzen geraten nicht nur Barfer und Preyer aneinander – hier wird ein viel größerer Kreis gezogen. Tierärzte raten üblicherweise zu einer recht starken Supplementierung mit einem Mineralfutter, Barfer schwanken zwischen „so viel wie nötig, so wenig wie möglich“ bis „alles muss rein in den Hund“ und Preyer verzichten ganz darauf.

Kurzum: Man muss keine Zusätze füttern. Gar keine! Gesunde Hunde können bei natürlicher Haltung sämtliche Nährstoffe, die sie benötigen allein aus dem Beutetier ziehen. Es ist nicht nötig, irgendwas zu supplementieren, wenn man das bewerkstelligen kann: Wer ganze Beutetiere aus artgerechter Haltung zur Verfügung stellt und dem Hund ermöglicht, ganztags in der Sonne zu liegen, wenn ihm danach ist, muss überhaupt gar nichts ergänzen. Null! Es reichen Beutetiere und Tageslicht! Eigentlich.<

Schwierig wird es, wenn man einige der Kriterien nicht erfüllen kann. Füttert man beispielsweise Fleisch aus Massentierhaltung, so hat die Zusammensetzung der Nahrung eine vollkommen unnatürliche Fettsäurenzusammensetzung, die ausglichen werden muss, will man nicht entzündliche Prozesse im Körper und damit entsprechende Krankheiten fördern. Wölfe in der Natur haben das Problem nicht – Rehe und Elche leben artgerecht. Gibt es keine ganzen Beutetiere inkl. Blut zu fressen, fehlt es eventuell an Jod und dann werden Seealgen ergänzt. Mit dieser Herausforderung hat kein Tier in der Natur zu kämpfen. Und wenn der Hund sich hauptsächlich in der Wohnung aufhält, dann könnte es an Vitamin D fehlen, wenn man das nicht ergänzt. Ein Problem, vor dem kein wildes Raubtier steht.

Es kommt also auf die Umstände an, ob Zusätze notwendig sind oder nicht (welche Zusätze in welcher Situation sinnvoll sind und wie sie dosiert werden → Das BARF-Buch). Das trifft nicht nur auf BARF oder Prey zu, sondern auf sämtliche Fütterungsmethoden. Wer das Prey Model wirklich gut umsetzen kann, liegt also völlig richtig damit, Zusätze abzulehnen, denn im Idealfall braucht man sie tatsächlich nicht.

Fazit

Wie man sehen kann, gibt es eigentlich keinen Grund, eines der beiden Fütterungsmodelle zu verteufeln oder sich gegenseitig anzufeinden. Im Grunde richten sich beide nach dem Beutetierkonzept und sind damit als artgerecht einzustufen. In den großen Komponenten, die für die Ernährung des Hundes hauptsächlich ausschlaggebend sind (Fleisch, Innereien und Knochen), bestehen Unterschiede im Grammbereich, über die man wohl kaum streiten muss. Beide Konzepte ermöglichen eine gesunde Ernährung des Hundes. Punkt!

Im Prinzip haben auch beide Gruppen Recht. Das Prey Model (Fütterung kompletter Beutetiere) ist eigentlich das bessere Konzept, weil es nicht nur eine Orientierung am Beutetier ist und damit eine Kopie, sondern die Situation in der Fütterung der wilden Vorfahren mit der Fütterung ganzer Beutetiere identisch nachahmt. Es gibt nichts Besseres als komplette Beutetiere zu füttern. Da es jedoch einigen Hundehaltern nicht möglich ist, ganze Beutetiere zu füttern, bietet BARF ein Konzept, was entsprechende Anpassungen der normalen Hundehaltungsbedingungen berücksichtigt, damit das Futter trotzdem alles enthält, was der Vierbeiner benötigt. Die Imperfektion des Hundehalteralltags in der Großstadt wird also ausgeglichen. Nicht mehr und nicht weniger.

Vertragt Euch! Ihr wollt doch alle das Gleiche: gesunde Hunde.

Quellen:
[1] http://www.wolfsregion-lausitz.de/index.php/nahrungszusammensetzung
[2] Radinger, E.: Was würden Wölfe kaufen?
[3] Mech, L. D. (2007): Wolves: Behavior, Ecology and Conservation
[4] Müller, S. (2006): Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis
[5] Mech, L. D. (2007): Wolves: Behavior, Ecology and Conservation
[6] Gondret, F. et al. (2005): Carcass composition, bone mechanical properties, and meat quality traits in relation to growth rate in rabbits
[7] Meyer, H., Zentek, J. (2013): Ernährung des Hundes: Grundlagen – Fütterung – Diätetik
[8] Watzl, B., Leitzmann, C. (2005): Bioaktive Substanzen in Lebensmitteln
WARNHINWEIS zum Thema Pferdeäpfel
Vorsicht ist bei Tieren mit einem MDR-1-Defekt geboten (verbreitet bei folgenden Rassen: Collie, Border Collie, Australian Sheperd, Bobtail, Bearded Collie, Wäller, Shetland Sheepdog, Weißer Schäferhund, Langhaar-Whippet). Sie sollten zwingend davon abgehalten werden, Pferdeäpfel zu fressen, denn Pferde werden oftmals regelmäßig entwurmt und ein Wurmmittel namens Ivermectin, was sich dann im Kot der Pferde befindet, kann bei betroffenen Hunden tödliche Folgen haben.

Kommentare:

Unknown hat gesagt…

das ist aber nicht ganz richtig 😉 bei prey gibt es auch 1 x in der woche fisch und wer keinen fisch mag sollte lachsöl füttern . das ist schon sehr wichtig !

  1. September 2015 um 20:12Nadine Wolf hat gesagt…

Ganze Fische würde ich jetzt mal als komplettes Beutetier zählen und nur das Filet zum Muskelfleisch. Es kann also sowohl bei BARF als auch bei Prey integriert sein. Das hatte ich jetzt einfach impliziert 😉

Allerdings reicht eine einzige Fischmahlzeit pro Woche nicht aus, um das Fettsäurenmissverhältnis im Fleisch auszugleichen. Dafür ist das Fettsäurenprofil von Massentierhaltungsfleisch einfach zu weit entfernt von dem von Fleisch aus artgerechter Haltung und zudem ist die Komponente dafür auch viel zu groß (sowohl bei BARF, als auch bei Prey). Da muss man schon entweder gleich passendes Fleisch nehmen oder wirklich täglich Lachsöl geben. Und letzteres ist etwas, was von vielen Preyern abgelehnt wird (weil Wölfe eben auch kein Lachsöl in der Natur finden).

  1. September 2015 um 23:31Rena MacLeod hat gesagt…

Die Erklärung von Prey fängt schon falsch an, wenn man so einen Artikel schreibt sollte man sich bitte vorher schlau lesen und nicht irgendwas behaupten
1. gibt es nicht mittlerweile Frankenprey, das gabs schon die ganze Zeit
2. 80% Fleisch inkl dem Fett ist richtig, aber es sind nicht 5-10% Organe und Knochen sondern 10% Organe und 10% Knochen.
3. Fell und Blut ist kein Muss. Kot von Pflanzenfressern? Woher kommt die Mär?
4.auch beim Prey kann man Eier füttern, wieso auch nicht:) Öl ist durchaus auch Bestandteil, Nadine Wolf, deine Aussage ist inkorrekt, Prey beinhaltet durchaus Fischöl wenn man nicht in der Lage ist hauptsächlich Wild und Weidetiere zu füttern, irgendwie muss man das ganze ja ausgleichen, ergo ist da Fischöl erlaubt. Aber eben ehr nur Fischöl denn Pflanzenöle wirken entzündlich und die Omega3 lastigen bringen nichts da Hund die Omega3 Säuren nicht in die benötigte Form umwandeln kann (schreibt im Übrigen auch die Simon inzwischen auf ihrer Homepage) oder nur sehr begrenzt (der Mensch kann das nämlich auch nur bis zu 9% und das auch nur wenn er gesund ist)
Oh und das Fisch nicht ausreicht scheint nicht zu stimmen, evtl ist das interessant für dich:
http://www.dogsnaturallymagazine.com/can-fish-oil-kill-dogs/ die Überschrift ist etwas reißerisch, aber recht interessant, weswegen ich inzwischen ehr zu geeignetem Fisch rate statt dem Öl. Meine evtl Krebskranke bekommt aber Fischöl da sie höhere Dosen braucht, muss also jeder so handhaben wie er mag bzw wie es für den Hund passt:)
5. Der Inhalt des Verdauungstraktes wird eben nicht gefressen, auch nicht der vom Darm. Pansen etc bleibt meist sogar komplett liegen nach Aussagen von Wolfsforschern/Beobachtern.
6. Der Inhalt bei kleinen Tieren muss nicht ausgeschüttelt werden da diese Teile oft einfach liegen bleiben und wenn nicht heißt das nicht das es benötigt wird, denn das wird es nicht:)
Die Mageninhalte/Darminhalte von Pflanzenfressern enthalten ehr nichts womit ein Fleischfresser etwas anfangen kann, geschweidegdenn das die Bakterien/Enzyme die Magensäure überleben würden:)
7. Knochen, Knorpel, Sehnen etc liefern „Ballaststoffe und Faserstoffe“ dazu braucht es keinen Pflanzenanteil
Große Mengen Pflanzen taxieren den Pankreas da dieser nicht für solche Aufgaben gemacht wurde. der Pflanzliche Anteil in der Wolfsnahrung beträgt 0,07%, da bekommt man dann evtl eine Vorstellung was mit „große Mengen“ gemeint ist:)
8. Vitamin D ist reichlich in Leber enthalten, da braucht man nichts extra supplementieren ob der Hund nun viel rauskommt oder nicht. Ansonsten haben auch Eier und Eintgsküken reichlich Vitamin D:)
9. wenn wir zu den Pflanzlichen Faserstoffen kommen, nehmen wir mal fructo-Oligosaccharide zb weil das in letzter Zeit so gehyped wird. das Zeug sorgt dafür das vereinfacht ausgedrückt, Enzyme gebildet werden die helfen Faserstoffe zu knacken. Da Hund keinen Bedarf an diesen hat braucht er aus diese Enzyme nicht. Durch einen zu hohen Pflanzlichen Anteil kommt es ehr zu Fehlbesiedelungen im Darm. Außerdem verringert ein hoher Ballaststoffanteil auch die Aufnahme anderer Nährstoffe, sprich ein hoher Ballaststoffanteil senkt die Verdaulichkeit der anderen Komponenten.
Wie gesagt liegt der pflanzliche Anteil in der Wolfskost bei 0,07%, sprich 20-30% Pflanzen in der Nahrung sind eben nicht artgerecht, nicht gesund und mindern die Verwertbarkeit der wichtigen Nahrungsbestandteile.
Kriegt der Hund deswegen Mängel, vermutlich nicht, dann würde keiner barfen;)
Macht es das deshalb sinnvoll? Nein:)
Ansonsten, jeder soll so füttern wie er mag;)
Wer interesse an Prey hat, sei es Frankenprey oder Whole Prey kann ja mal auf Rawfed.com schauen, dort ist alles richtig erklärt in den dazugehörigen Yahoogroups oder auf Facebook stehen die Herrschaften auch mit Rat und tat zur Seite:)
LG Judith Tubbesing

  1. Oktober 2015 um 17:28Nadine Wolf hat gesagt…

Wenn man also einen Artikel schreibt, der aufzeigen soll, dass es zwei Rohfütterungsgruppen gibt, die sehr viel mehr gemeinsam haben als sie trennt und es sich daher nicht lohnt, sich zu bekriegen, dann sollte man sich vorher schlau machen. Worüber? Darüber, dass es immer wieder Streit gibt? Wirklich? Dein Kommentar ist doch schon Beleg dafür. Du kommst her, und versuchst einen Artikel, der schlichten soll, schlecht zu reden und behauptest einfach etwas, ohne Quellen zu nennen.

Und glaub mir, ich habe mich informiert und hab auch Quellen angegeben. Eigentlich bin ich nicht dafür bekannt, einfach mal irgendwas zu behaupten. Jeder, der hier seit Jahren mitliest, wird das bestätigen können.

1) Was bedeutet die ganze Zeit? 😉 Der ursprüngliche Gedanke war ja, ganze Tiere zu verfüttern. Erst danach kam man auf die Idee, diese nachzubasteln, eben weil nicht jeder ganze Tiere füttern kann.

2) Das kommt auf die Auslegung an – es gibt durchaus Preyer, die das anders sehen. Und es gibt kein Standardwerk, das zitierfähig ist. Nur Angaben aus dem Internet und die schwanken durchaus. Die Berechnung wurde ja mit 10 % durchgeführt, weil ich persönlich 5 % auch für zu niedrig halte.

3) Ich habe mir diese Dinge nicht ausgedacht. Ich zitiere an der Stelle nur die Wolfsforscher: David Mech, Elli Radinger etc. Ich kann es nicht ändern, dass Wölfe solche Dinge fressen…

4) Es gibt durchaus Preyer, die tatsächlich sämtliche Zusätze ablehnen, auch Öl. Das wirst Du besser wissen als ich. Das Argument lautet dann: „Im Wald stehen keine Ölflaschen rum.“ , was ja an sich richtig ist. Unter Umständen ist auch keine Ergänzung notwendig. Weder bei BARF, noch bei Prey. Das habe ich in dem betreffenden Abschnitt auch betont. Man muss ja kein Öl füttern, wenn man z. B. ausschließlich Wild füttert, kann man sich das sparen. Ich habe auch nirgends behauptet, man solle Pflanzenöle füttern. Ich persönlich bin ein Gegner von dieser Praktik. Es ist längst bekannt, dass die Umwandlungsraten zu EPA und DHA bei Hunden sehr gering sind.

5) Das sehen die Wolfsforscher anders, ich zitiere nur, die Quellen sind ja auch entsprechend angegeben. Es lohnt sich also nicht, das mit mir zu diskutieren. Ich schreibe nur auf, was Forscher dazu sagen. Wende Dich diesbezüglich bitte an Elli Radinger, sie schreibt: „Gerne vertilgen die Wölfe aber den warmen, vorverdauten Darm samt Inhalt.“ Ich halte Elli Radingers Publikationen für zitierwürdig und außerdem ist sie sehr nett und hilfsbereit – nicht alle Autoren beantworten so bereitwillig Fragen von Lesern. Da ich keine subjektiven Vorteile (z. B. Fördergelder von Unternehmen) darin sehen kann, diesbezüglich verfälschte Informationen zu publizieren, habe ich keinen Grund, ihre Aussagen anzuzweifeln. Warum sollte sie behaupten, dass Wölfe sowas tun, wenn es nicht so ist? Das ergibt für mich keinen Sinn. Es muss außerdem auch einen Grund geben, dass im Kot von Wölfen 0,3 % Beeren, 1,9 % Pflanzenmaterial und etwa 3,4 % anderen Bestandteile wie Blätter, Äste und Steine nachgewiesen werden (Müller, S. (2006): Diet composition of wolves (Canis lupus) on the Scandinavian peninsula determined by scat analysis).

6) Wo steht, das würde oder müsse ausgeschüttelt werden? Die Wolfsforscher sind sich einig: kleine Beutetiere werden komplett gefressen. Daran kann ich nichts ändern.

  1. Oktober 2015 um 21:43Nadine Wolf hat gesagt…

7) Knochen, Knorpel und Sehnen beinhalten keine Rohfaser, sie liefern nur schwer oder unverdauliche Komponenten. Das reicht also als Ballaststoff, nicht als „Futter“ für die Darmflora. Kannst Du bitte eine Quelle für die 0,07 % nennen? Mir liegen ganz andere Daten vor. Allein der Darminhalt eines Beutetiers macht ca. 9 % aus, wobei der Rohfasergehalt darin dann natürlich wesentlich niedriger ist, denn Grünzeug enthält in der Regel um die 2 % Rohfaser. Wölfe fressen ja hauptsächlich Pflanzenfresser oder Allesfresser. Die haben einen sehr langen Darm, der dann auch gefüllt ist. Und wie die Wolfsforscher schreiben, wird das mitgefressen. Nicht nur das, in Untersuchungen wurden immer wieder größere Pflanzenmengen im Kot von Wölfen gefunden. Im Wolf Science Center wundert man sich Jahr für Jahr darüber, dass die Tiere über die Äpfel herfallen, die auf dem Boden unter dem Baum liegen – trotz super Versorgungslage ( siehe dieses Video – ab Minute 3:17: die Tiere fressen über Wochen zu 80 % nur Äpfel – laut Walter Vorbeck jedenfalls). Auch diesbezüglich musst Du mit mir nicht streiten, da sind David Mech & Co. die richtigen Ansprechpartner. Ich gebe nur das wieder, was ich in deren Publikationen gelesen habe. Wenn das falsch ist, möge man mir das verzeihen. Und gern andere Quellen nennen. Manchmal widersprechen sich Forscher ja auch einfach.

8) Das reicht leider nicht aus. Bei den Mengen, die bei Prey oder BARF serviert werden, erreicht man die notwendigen Werte nicht. Eine BARF-Ration für den 30-kg-Hund liefert am Tag etwa 0,8 µg Vitamin D, benötigt würden fast 6 µg. Leber reicht also nicht aus. Aber zeig mir gern Deine Berechnung, ich bin da sehr offen und immer interessiert an anderen Erfahrungen. Anders sieht es übrigens bei der Fütterung von Fisch aus, oder wenn die Tiere eben lange draußen sind. Leber allein reicht nicht, auch ein Ei pro Woche zusätzlich leider auch nicht.

9) Darmbakterien benötigen Faserstoffe, um sich davon zu ernähren. Enzyme können genau diese Faserstoffe nicht aufspalten, daher wandern die Nahrungsbestandteile weiter in den Dickdarm. Dort gibt es Bakterien, die dazu in der Lage sind, die jedoch auch andere Aufgaben übernehmen (Immunsystem). Daher findet im Dickdarm eine gewisse bakterielle Fermentation der aufgenommenen Faserstoffe statt. Aufgrund der Fleischfressereigenschaft von Hund (und Katze) findet das bei diesen Tieren aufgrund der Kürze des Dickdarms und der geradezu verkümmerten Blinddarms nur in geringem Maße statt, aber ein hohes Maß ist auch nicht notwendig, das reicht, um die Darmflora zu ernähren. Daher ist der Anteil an Faserstoffen ja recht gering. Die 120 g Gemüse, die oben in der Ration berücksichtigt sind, liefern dem 30 kg-Hund etwa 2 g Rohfaser. Zum Großteil besteht das Grünzeug ja nun einmal aus Wasser. Aus diesem Grund wird dann übrigens im verbleibenden Kot nur ein so geringer Anteil an Fasern festgestellt. Dem Kot wird schließlich im Dickdarm das Wasser zu einem großen Anteil entzogen. Natürlich ist ein zu hoher Anteil an Ballaststoffen nachteilig (das habe ich in einem anderen Artikel bereits dargelegt), dennoch benötigen Hunde einen gewissen Teil Rohfaser. Beschwerden bezüglich dieser Informationen sollten bitte direkt an Prof. Zentek gerichtet werden. Ich denke mir diese Dinge nicht aus, das ist der Job der Forscher.

Ich weiß nicht, ob die Barfer, die den Blog hier lesen, sich in diesen Gruppen so wohl fühlen werden. Der Artikel ist entstanden, weil es ständig Streit gibt (z. B. darum, ob man dem 30-kg-Hund nun mit den 2 g Rohfaser am Tag schadet oder nicht) und die beiden Gruppen so oft aneinander geraten. Mein Ziel war, etwas Aufklärungsarbeit zu leisten, die Fronten zu glätten, damit beide Gruppen sich einander annähern. Schon allein diese Diskussion hier zeigt, dass das scheinbar nicht gewünscht ist. Schade.

  1. Oktober 2015 um 21:45Maggy B. hat gesagt…

„Sechs“ setzen bitte – Thema verfehlt Frau Judith Tubbesing!

Soweit ich! diesen Artikel verstanden habe, sollte er AnhängerInnen dieser beiden Gruppen befrieden und definitiv kein Futter für weitere Grabenkämpfe um das ‚beste‘ und ’seligmachenste‘ Rohfutterkonzept liefern.
(die Quellen für die von Ihnen getroffenen Aussagen würden mich jedoch ebenso interessieren wie Frau Wolf)

@Nadine Wolf:
Die rechnerische Gegenüberstellung der beiden Rohfutterkonzepte B.a.r.F. und (Franken-)Prey ist Ihnen wieder einmal sehr gut gelungen und es gibt tatsächlich keinen Grund, sich bei Aufeinandertreffen dieser beiden Fraktionen in die Haare zu bekommen.
Mir persönlich reicht es ehrlich gesagt schon, uns der Kritik inkompetenter Tierärzte ausgesetzt zu sehen wenn es um die artgerechte Ernährung unserer Vierbeiner geht.

Grabenkämpfe zwischen Barfern und Preyern?
Nein DANKE!

Und Ihnen herzlichen Dank für diesen Artikel!
.

  1. Oktober 2015 um 14:36Doggenbändiger hat gesagt…

Liebe Nadine, schon am Tonfall von Frau Tubbesing kann man ablesen, dass eine friedliche Koexistenz der beiden Modelle gar nicht gewollt ist. Trotzdem Danke für den gelungenen Versuch. Ich bin immer wieder erstaunt wo die Leute ihr Wissen her haben, nicht nur bei der Diskussion um verschiedene Modelle, sondern allgemein wenn es um das Thema Rohfütterung geht. Und solange auf der Ebene von Vermutungen und Halbwissen diskutiert wird, bleiben Streitereien nicht aus. Im anonymen Internet geht das ja schadlos an den Leuten vorbei.
Auch wenn ich es mir aus gegebenem Anlass abgewöhnt habe auf solch einer Ebene zu diskutieren oder gar belehren zu wollen: Mir reicht es schon gegen die Trockenfuttermaffia zu argumentieren, da muss ich mich nicht noch um haarspalterische Unterschiede der Rohfütterungsmethoden streiten.

  1. Oktober 2015 um 09:16Cathleen Alt hat gesagt…Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.14. Dezember 2015 um 22:42Cathleen Alt hat gesagt…

Hallo Nadine unser sammy hat chronische Epi was wäre jetzt der richtige Weg beim barfen ? Nach wild heute hat er erbrochen. Ich habe etwas bedenken was falsch zu machen? Welches Fleisch undnin welcher Form sollnich ihm genen ? Mit obst und Gemüse oder ohne ? Was ist mit ölen und anderen Zusätzen und kräuter ? Es wäre toll wenn du mir helfen könntest. Liebe grüße cathi und sammy

  1. Dezember 2015 um 22:43Nadine Wolf hat gesagt…

Hi Cathleen, schau mal hier: http://barfers.de/barf_pankreas.html Ein Hund mit EPI ist krank, weshalb einige Anpassungen am Futterplan vorgenommen werden müsssen.

  1. Dezember 2015 um 14:55Anonym hat gesagt…

Hallo Frau Wolf,
mir gefällt der Artikel sehr gut.
Einerseits die Informationen aber auch der Versuch zu schlichten. Leider scheint die Toleranz und Offenheit der Menschen sehr begrenzt zu sein.
Hundebesitzer gegen Katzenbesitzer
Fertigfutter gegen Rohfutter
Prey gegen Barf
Und alle gegen den Tierarzt.

Dennoch interessiert mich für welches Futterungsmodell Sie selber bevorzugen und warum genau

  1. Juni 2016 um 11:49Anonym hat gesagt…

Hallo. Ich bin ein absoluter Neuling was das Rohfüttern angeht. Da mein Hund kein Konservenfutter verträgt, Trockenfutter schlicht stehen lässt habe ich nach Alternativen gesucht. Ich lese viel die letzten Tage über das Rohfüttern, ob barf oder pray, was ist das beste. Hm. Den Artikel an für sich finde ich richtig gut gelungen, denn vor lauter Infos habe ich echt nicht weiter gewusst. Hier werden die Gemeinsamkeiten/Unterschiede deutlich gezeigt und ich denke, es bleibt ja doch jedem selbst überlassen, wie er sich letztendlich entscheidet. Einen Krieg zu führen deswegen?! puh! Finde, diesen gibt es schon zuviel auf der Welt. Und am Ende wollen wir doch alle das Gleiche, nämlich unseren Fellnasen ein schönes gesundes Leben zu ermöglichen. Ich probiere beide Varianten und lasse meinen Hund entscheiden, was ihm besser gefällt. Das finde ich für mich und ihn am besten. VG

  1. September 2016 um 11:01Anonym hat gesagt…

Was hier aber ganz außer Acht gelassen wird, ist dass der Hund ein Hund ist und kein Wolf.
Im Gegensatz zum Wolf, der ein Carnivorer ist, ist der Hund ein Omnivorer, also ein Allesfresser, der eine andere Verdauung hat als der Wolf.
Und ja, sogar Kohlenhydrate kann dieser aufnehmen, er hat nämlich im Laufe der Domestikation, also der „Hund-Werdung“ das Enzym alpha-Amylase erhalten, welches Stärke spaltet.
Dies wird bei Prey-Fütterung gar nicht berücksichtigt…

  1. Januar 2017 um 14:02Nadine Wolf hat gesagt…

Das Verdauungssystem von Hund und Wolf ist nahezu identisch. Es gibt einige Hunde, die mehr Gene zur Stärkeverdauung haben als Wölfe, aber das ist nicht bei allen der Fall. Auch Wölfe können Stärke verdauen. Sie sind aber keine Omnivore. Sie sind fakultative Carnivore.

  1. Januar 2017 um 16:15

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28. April 2017 / by / in
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26. April 2017 / by / in